Schimpfende Mutter mit Sohn

Mein Kind wird erwachsen

Eltern klagen oft über das negativ auffallende Benehmen ihrer pubertierenden Kinder. Gebote und Verbote beeinflussen jedoch selten das Handeln der Kinder. Warum?

Als Pubertät wird die Wendezeit des Menschen vom Jugendalter ins Erwachsenenalter bezeichnet. Das ist auch das Alter, in dem die Jugendlichen beginnen die Werte der Eltern, ihre Lebensweise und ihr Verhalten in Frage zu stellen, was sich sehr verschieden äußern kann. Es gibt nämlich Jugendliche, die „ausflippen“ und mit allen Mitteln versuchen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, es gibt Jugendliche die sich zurückziehen, wenig sprechen, apathisch wirken. 

Mag. Roswitha Glaeser, klinische und Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin in Ausbildung vom Referat für Familie und Generationen des Landes Salzburg weiß: „Das Verhalten der Pubertierenden hängt sowohl vom Temperament des Teenagers als auch von den Werten und Erwartungen seiner Eltern ab“. Um sich von ihren Eltern abzugrenzen, probieren Teenager andere Verhaltensweisen aus. So kommt es, dass Kinder aus hochangesehenen Familien oft den Wohlstand der Eltern verabscheuen und sich einen ganz anderen Freundeskreis suchen. Jugendliche machen gezielt das, was ihre Eltern ablehnen, um Aufsehen zu erregen und damit es zu einer Konfrontation kommt. Sie hören laut Musik, weigern sich ihr Zimmer aufzuräumen, vernachlässigen ihre Schulpflichten, schwänzen die Schule. Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle geht hervor, dass Mädchen die Pubertät oft stärker als Jungen ausleben. Während Jungen verstärkten Wert auf ihren Status in der Gruppe legen (vermehrter Alkoholkonsum, Extremsituationen anstreben wie Sprünge von einer Brücke, Schlägereien), ist für Mädchen häufig das Körperliche, das Aussehen Thema Nummer eins. Somit werden Figur und Kleidung zu einer ernstzunehmenden Angelegenheit die oft Essstörungen zur Folge hat. 

Wie können Eltern ihren Kindern in solch einer schwierigen Zeit helfen, und vor allem wie können sie das Verhalten ihrer Kinder verstehen? Im Fall von Essverzicht muss man natürlich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Sonst genügt häufig ein Rückblick auf die eigene Pubertät denn durch die Reflexion über die eigene Vergangenheit ergibt sich so manch aufschlussreiches Detail welches den Schlüssel zur Seele des Kindes ausmachen kann.

Die wichtigste Mission der Eltern in dieser Zeit, ist es den Kindern Vertrauen zu schenken und dies auch offen zu kommunizieren. Als Eltern muss man in sich den Glauben pflegen, dass das Kind seinen Weg gehen wird und vor allem keine Horrorszenarien wie: „aus ihm/ihr wird nichts, er/sie wird ein Versager“ ausmalen. Statt dessen sollte man vielmehr sagen: „Dein Verhalten ist jetzt zwar nicht in Ordnung  aber du sollst wissen, dass ich dir trotzdem vertraue, denn ich weiß dass du einen guten Kern hast, auch wenn er im Augenblick nicht zum Vorschein kommt!“ Ständig Schimpfen und Strafen bringt da verhältnismäßig wenig, sagt Mag.Glaeser. Unter Umständen kann es sogar ins Umgekehrte umschlagen. Der ständige Kampf gegen festgesetzte Verhaltensmuster macht die Pubertät aus. „Ein unbedingt notwendiger Kampf“ meint Glaeser „denn nur so finden sie ihr eigenes Ich“. 

Das Signal der Eltern: „tue das nicht“ versteht der Jugendliche oft als Anreiz für den Kampf. Hier ist es für Eltern Pubertierender wichtig trotz unangenehmer und feindseliger Verhaltensweisen ihrer Sprösslinge selbst stand zu halten, die eigenen Werte zu vertreten, den Jugendlichen als eigenständige Person ernst zu nehmen und außerhalb des Konfliktes angemessen und wertschätzend mit ihm darüber zu sprechen."

Das Team der Beratungsstelle Salzburg betont offene Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg. Die Beratung besteht aus einem persönlichen Gespräch, im Zuge dessen die Situation relativiert wird. Dadurch kommen oft Lösungen zustande, die Eltern und Jugendlichen das Zusammenleben erleichtern und das gegenseitige Verständnis fördern.