Kind kauert im Dunkeln

Psychische Gewalt gegenüber Kindern

Johanna Zimmerl, stv. Leiterin des Kinderschutzzentrums die Möwe, Psychotherapeutin und Klinische- und Gesundheitspsychologin ist Expertin für Gewalt gegenüber Kindern: „Die psychische Gewalt ist trotz ihrer Häufigkeit ein Stiefkind unter den Gewaltformen, dabei konnten Wissenschaftler/innen neurobiologisch nachweisen, dass sie ebenso schlimme Folgen haben kann wie körperliche Gewalt.“ Und leider begänne diese Form der Gewaltausübung gegenüber Kindern schon bei gefühlten Kleinigkeiten. „Demütigungen, Herabwürdigungen und das Kind vor Freunden klein machen … dies alles fällt darunter. Aber auch Beschimpfungen, Drohungen und negative Zuschreibungen.“ Besonders die Chronizität, also die laufende Wiederholung, führe dann tatsächlich zu Schädigungen. Dazu die Expertin: „Wenn das Kind grundsätzlich in einem liebevollen, wertschätzenden Umfeld aufwächst, wird es auch einen hin und wieder überfordert schreienden Elternteil verkraften. Leider tritt psychische Gewalt aber oft nicht alleine, sondern als Begleitung anderer Gewaltformen wie körperlicher oder sexueller Gewalt auf.“ Auch Liebesentzug sei eine Form der psychischen Gewalt, der insbesondere Mädchen häufig ausgesetzt seien. „Oftmals hat dieses Verhalten seitens der Eltern mit Hilflosigkeit und Überforderung zu tun oder es sind Muster, die sie selbst als Kinder erlebt haben. Manchmal geht es auch um Machtausübung.“ Die betroffenen Kinder und Jugendlichen seien als Folge daraus in ihrem Selbstkonzept beschädigt und ihre Entwicklung würde gehemmt. Es können psychische Störungen auftreten wie Depressionen, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen. „Die meisten Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Es ist schon ein guter Schritt, wenn man es selbst bemerkt, wenn etwas schief läuft und sich auf die Suche nach Auslösern für Grenzüberschreitungen macht. Grundlegend ist es wichtig, sich gefühlsmäßig in das Kind hineinversetzen zu können und auch die eigenen Erwartungen an das Kind zu reflektieren“, rät Zimmerl.

Immer wieder ist die Psychologin erstaunt, wie viel Kinder aushalten – oft auch dann, wenn ein Rosenkrieg tobt. Gerade aber, weil psychische Gewalt keine äußeren Spuren hinterlässt und somit so schwierig erkennbar wird, ist die Expertin sehr dankbar, wenn sich Leute aus dem Umfeld oder der Familie bei der Möwe melden und Missbrauch, sei es physisch oder psychisch, melden. Dann könne dem Kind und auch den Eltern geholfen werden.

Wenn sie also selbst betroffen sind oder in ihrem Umfeld Missbrauch und Gewalt beobachten, wenden Sie sich gerne an eine Beratungsstelle oder an ein Kinderschutzzentrum.