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Psychische Erkrankungen in der Familie

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Bipolare Störungen, Burnout und Phobien können jeden treffen – Auslöser können Unfälle, plötzliche Todesfälle oder sonstige Traumata sein. Doch leider werden sie von der Gesellschaft nicht immer als Krankheit akzeptiert. Nicht selten stoßen Betroffene auf Unverständnis: Warum bist du so? Du schläfst ja den ganzen Tag? Jetzt reiß dich doch mal zusammen! Aber mit Druck erreicht man gar nichts, ganz im Gegenteil, meistens fühlen sich Betroffene dann noch schlechter.

Oft versuchen Familienmitglieder diese vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu vertuschen. Besonders Kinder neigen dazu, in die Rolle eines Elternteils zu schlüpfen. „Sie entwickeln sehr gute Strategien, die das Umfeld glauben lassen, alles sei in Ordnung. Das geht so lange gut, bis sie selbst nicht mehr können“, erzählt Kerin Piereder, diplomierte Lebens- und Sozialberaterin beim Kompetenz- und Integrationszentrum Ladybird. Gerade wenn Kinder zu viel Verantwortung übernehmen, nimmt man ihnen ein Stück ihrer Kindheit. Außerdem kann es nach so einem Rollentausch schwierig sein, wieder nur Kind sein zu können. Vor allem Töchtern fällt dies schwerer.

Je mehr das Umfeld involviert ist, um so schneller kann der bzw. die Betroffene wieder gesund werden. Gerade in solchen Situationen ist Hilfe von außen sehr wichtig. „Wenn die Oma im Haushalt mitarbeitet oder die Tante die Kinder betreut, hilft das, eine gute Situation in der Familie zu schaffen“, so die Expertin. Weiters kann die Heilung auch beschleunigen, dass Arzt und Berater miteinander vernetzt werden und zusammenarbeiten können. 

Auch Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. „Krankheit als Herausforderung sehen. Manche halten an ihren Diagnosen fest, anstatt zu überlegen, wie sie damit umgehen wollen“, weiß Piereder aus Erfahrung zu berichten. Als hilfreich hat sich erwiesen, allen Beteiligten vor Augen zu führen, dass manche psychischen Krankheiten nur vorübergehend sind. Bis dahin ist aber viel Zeit und Geduld erforderlich. Betroffene sollten auf gar keinen Fall überfordert werden. Kleine Schritte können schon große Erfolge sein. 

Auch hier gilt für Angehörige: nicht über die eigenen Grenzen gehen und sich Zeit für sich und seine Hobbys nehmen. Mitfühlen ja, aber nicht mitleiden. Dadurch kann die Gefahr entstehen, in ein Burnout zu rutschen.

Wer zu diesem Thema Unterstützung oder weitere Informationen braucht, kann sich gerne an alle Familienberatungsstellen in Österreich wenden. Diese stehen allen kostenfrei zur Verfügung.