Gynäkologin und schwangere Patientin sehen sich Ultraschallbilder an.

Pränatale Diagnostik – ja oder nein?

Voruntersuchungen während der Schwangerschaft werden zunehmend kritisiert. Während eine werdende Mutter noch vor nicht allzu langer Zeit garnicht oder selten zum Arzt ging, so sind heute alleine über den Mutter-Kind-Pass eine Reihe von Untersuchungen vorgesehen, wie Blutuntersuchung und Ultraschall, sowie die Erhebung von mütterlichen und kindlichen Risikofaktoren.

Mit dem Ultraschall kann die pränatale Diagnostik zudem die Organe des Kindes, seine Gefäße und seine Durchblutung, seine Nabelschnur, die Funktion seiner Herzklappen sowie den Blutstrom im Herzen abbilden. Bei invasiven Methoden wird zur Diagnose von Erb-, Blut- oder Infektionskrankheiten Gewebe entnommen, z.B. aus der Nabelschnur, aus dem Mutterkuchen oder aus der Fruchtblase.

All diese Verfahren dienen der Diagnostik von Auffälligkeiten oder Hinweisen auf Erkrankungen oder Behinderungen des Ungeborenen. Oftmals wird aber im Vorfeld nicht genau darüber aufgeklärt, welche Vor- und Nachteile es gibt. Um früh zu erkennen, ob das Ungeborene gesund ist, werden zum Teil Eingriffe vorgenommen, die für das Kind unter Umständen sogar gefährlich sein können. Dazu Tanja Kops, freiberufliche Hebamme vom Hebammenzentrum – Verein freier Hebammen in Wien: „Manche Frauen lehnen diese Untersuchungen ab, um sich nicht mit Ängsten und Unsicherheit zu belasten. Im Falle des Falles vor die Entscheidung gestellt zu werden, ob sie ihr Kind bekommen soll oder nicht, ist auch enorm belastend.“ Für manche ist von vornherein klar, dass sich trotz der Diagnose „Kind mit Behinderung“ nichts ändern würde. Daher sehen diese werdenden Mütter keinen Sinn darin, die Untersuchung vorab zu machen.

„Die Frauen müssen sich nicht sorgen: Es ist keinesfalls gefährlich, die Untersuchungen nicht zu machen. Vielmehr kommt es darauf an, was man mit den Ergebnissen anfangen möchte“, weiß Tanja Kops. Sinnvoll sind die Untersuchungen dann, wenn sich die künftigen Eltern im Falle einer Behinderung oder Erkrankung vorbereiten wollen oder auch für einen Abbruch entscheiden würden.

Ein Problem sieht die Hebamme auch darin, dass viele Mütter Schwierigkeiten haben, eine Bindung zum Kind aufzubauen, während sie bei einer „Schwangerschaft auf Probe“ auf Ergebnisse warten: „Das geht soweit, dass sie sich Gedanken über einen Abbruch machen, wobei ihr Kind aber völlig gesund sein kann“, so die Beraterin. Denn es sind 97 % aller Kinder gesund, und nur 3 % krank oder behindert. Von diesen 3 % werden wiederum nur 0,5 % vorab diagnostiziert. Der Rest wird nicht früherkannt. Soweit zur Statistik … Wer sich gerne beraten lassen möchte, findet in speziellen Familienberatungsstellen geschulte Ansprechpartner, wie z.B. im Hebammen-Zentrum sowie in Eltern-Kind-Zentren.