Schwangere hält Papier mit traurigem Smiley vors Gesicht

Pränatale Depression – woher, was tun, Auswirkungen

Schwangerschaft wird häufig als eine Zeit des grenzenlosen Glücks dargestellt. Dabei wird kaum erwähnt, dass Schwangerschaft nicht vor Depressionen schützt. Das Phänomen pränatale Depression verdient genauso viel Aufmerksamkeit wie der berüchtigte Baby Blues nach der Geburt, so Mag. Edeltraud Voill, Psychologin und Supervisorin in der Beratungsstelle Nanaya, Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern.

Woher kommt pränatale Depression?

Frauen, die sonst auch an Depressionen leiden, sind während der Schwangerschaft noch anfälliger. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Abgesehen von der massiven hormonellen Veränderung, wird einem die Veränderung der Lebenssituation durch das kommende Baby bewusst. In den ersten drei Monaten beginnt die Frau zu verstehen, was der wachsende Bauch eigentlich bedeutet: für die Arbeit, für den Partner, finanziell, für das Leben. Sie muss sich körperlich, als auch psychisch darauf einstellen. Einerseits empfindet sie eine hemmende Angst vor all diesen Veränderungen, andererseits steht sie unter Druck, glücklich zu sein, weil Schwangerschaft in der öffentlichen Meinung an Glück gekoppelt zu sein scheint. Das führt zu schlechtem Gewissen, wenn man nicht die Freude empfindet, die man meint, empfinden zu müssen. Man schämt sich und macht sich Vorwürfe, anstatt mit jemandem darüber zu sprechen. 

Was tun?

Für ein besseres Selbstgefühl und die Steigerung der Lebensfreude ist auch in der Schwangerschaft das soziale Umfeld essenziell. Jede Frau muss für sich herausfinden, was ihr Energie und Kraft gibt. Für die einen sind es Entspannungsübungen, für die anderen sind es Spaziergänge im Wald oder Treffen mit Freund/innen. Bedenklich wird die Situation dann, wenn das soziale Umfeld fehlt. Wenn man merkt, man leidet zunehmend an Stimmungsschwankungen und Motivationsverlust, hat aber keine Bezugsperson, mit der man darüber sprechen könnte, sollte man eine Beratung in Betracht ziehen. Beratung kann neue Perspektive aufzeigen, helfen Ressourcen zu finden und neue Handlungsmuster zu entwickeln.

Auswirkungen auf Ungeborenes

Jeder Stress wirkt sich auf die pränatale Psychologie des Kindes aus, denn alle Gefühle, die die Mutter empfindet, betreffen auch das Baby. Wenn die Mutter an einer pränatalen Depression leidet, ist das Risiko einer Frühgeburt höher. Die Babys solcher Frauen leiden zudem oftmals an Anpassungsschwierigkeiten, „sie brauchen länger, um sich auf dieser Welt daheim zu fühlen“. Sie kommunizieren ihr Unbehagen indem sie zum Beispiel laut schreien. 

Um es nicht soweit kommen zu lassen, ist es daher wichtig, schon frühzeitig gegen die ersten Depressionssymptome anzukämpfen und sich zu trauen, Hilfe zu suchen. Denn pränatale Depression betrifft so viele Frauen, dass sie längst kein Tabu mehr sein sollte.