Polyamorie

Polyamorie – geht das überhaupt?

Ist es möglich, zwei Partner/innen gleich intensiv zu lieben? „Ja, das kann vorübergehend möglich sein, aber nicht auf Dauer. Denn in solchen Konstellationen sind Ungleichgewichte, Enttäuschungen und schwere seelische Verletzungen geradezu vorprogrammiert“, so DI Hermann Horngacher, Ehe-, Familien- und Lebensberater von der Familien- und Männerberatungsstelle Klartext.

„Polyamorie wirkt auf den ersten Blick aufregend, verführerisch, ja attraktiv und wird auch gelegentlich praktiziert, aber in der Regel wird es in Stress ausarten. Denn einen zufrieden-stellenden Alltag zu leben, ist schwer möglich. Meist fühlt sich in einer solchen Konstellation zumindest einer der Beteiligten benutzt oder ausgenutzt und daher in seiner Haut nicht wirklich wohl“, meint Horngacher. Ein Konzept, das von vornherein seelischen Schmerz Einzelner in Kauf nehme, kann höchstens gut erscheinen, ist es aber nicht wirklich.
Rein auf der körperlichen Ebene sei es durchaus möglich, sich als Single in zwei Menschen gleichzeitig zu verlieben. Solche Beziehungen bleiben aber mehr an der körperlichen Oberfläche und gehen nicht in die seelische Tiefe. In ihnen fehle das wichtige Element des grundsätzlichen gegenseitigen Vertrauens und damit des Schutzes und der Geborgenheit. In solchen Beziehungen laufe Liebe Gefahr, zur „Ware“ degradiert zu werden. Das widerspreche dem Prinzip des Menschlichen, das nicht nur den Körper, sondern auch die spirituelle Komponente (= Seele und Geist) als Gesamtheit einschließt.
„Wahre Liebe“ meine den/die Partner/in in seiner Gesamtheit und versucht, ihn bzw. sie als ganzen Menschen zu erkennen. Sie sei voller Hingabe an den/die Andere/n und funktioniert nur, wenn auch dieser sich freiwillig dem/der Anderen hingibt. Und wenn beide den festen Willen haben, füreinander einzustehen sowie sich gegenseitig in ihrer Entwicklung zu fördern und zu unterstützen. Und beinhalte in der Regel auch den Wunsch, ihr Leben an Kinder weiterzugeben und hierfür die bestmöglichen (vor allem geistig-seelischen) Bedingungen zu schaffen.
Natürlich könne es auch passieren, dass man sich in aufrechter Beziehung gleichzeitig in einen anderen Menschen verliebt. In der Regel stecke da ein mehr oder weniger bewusstes oder unbewusstes Problem in der Partnerschaft dahinter. Häufig ein nicht ausreichend befriedigtes Bedürfnis, über das man in der Partnerschaft nicht offen reden kann und das den/die Eine/n oder Andere/n früher oder später in die Hände eines/r Anderen (= „Rivale/in“) fallen lässt.
In all diesen Fällen sei es wichtig, so bald wie möglich einen fachkundigen, lebenserfahrenen und neutralen Dritten hinzuzuziehen. Sonst passieren fast unweigerlich permanent weitere Verletzungen, die die Sache noch verschlimmern. Damit bestehe die Gefahr, dass die Chancen zur gemeinsamen Weiterentwicklung, die in solchen Situationen auch gegeben sind, vertan werden. Dann bleibe oft nichts anderes übrig, als den bitteren Weg einer Trennung zu gehen, die die Betroffenen noch meist lange in die Zukunft begleiten.

Wer diesen schmerzlichen Erfahrungen entgehen möchte, für den oder die stehen die Türen der Familienberatungsstellen für ein kostenloses Erstgespräch immer offen.