Trauriger Bub lehnt an einer Ziegelwand

Plötzlicher Tod Kinder – Geschwisterkind

Wenn ein Kind stirbt, trauern nicht nur seine Eltern, sondern auch die Geschwister. Dass sich Kinder je nach Alter unterschiedlich mit dem Verlust auseinandersetzen weiß Frau Christine Kügerl, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin des Kärntner Caritasverbandes in Villach.

Wenn sich Gefühlszustände in der Familie ändern, die Stimmung und Tagesabläufe durcheinander kommen, verliert das Kind an Sicherheitsgefühl. Babies und Kleinkinder registrieren den Zustand ihrer Eltern am Gesichtsausdruck. Sie nehmen das ungewohnte Verhalten und die Traurigkeit der Eltern als beängstigend oder bedrohlich wahr. Erwachsene ziehen sich oft zurück um ihre Trauer nicht zu zeigen, was die Kinder zusätzlich verunsichert. Wenn betroffene Eltern Zeit für sich brauchen, ist es ratsam die Betreuung des Kindes durch eine bekannte Person zu sichern, damit das Geborgenheitsgefühl stabil bleibt. 

Die etwas älteren Kinder, die bereits gehen können, registrieren nicht nur die Veränderungen im Verhalten der Eltern, sondern auch das Fehlen des verstorbenen Kindes. So fangen Sie an das fehlende Familienmitglied zu suchen und fragen unermüdlich danach. Daran ändern auch die vielen Erklärungen der Eltern nichts, denn erst im Volksschulalter können Kinder die Endgültigkeit des Todes begreifen. 

Im Kindergartenalter werden Schuldgefühle häufig zum Ausdruck der Trauer. „Weil ich nicht mitgefahren bin, ist der Unfall passiert“- Solche Gedanken äußern sich oft dadurch, dass Kinder gezielt Bestrafung anstreben um ihr Schuldgefühl zu lindern. Wenn Eltern ein ungewohnt negatives Benehmen bei ihrem Kind beobachten, ist es ratsam das Kind zu fragen: „Was denkst du, warum ist dein Bruder gestorben?“ Oft reicht diese Frage schon aus um zu sehen, mit welchen Gefühlen das Kind zu kämpfen hat und ihm zu signalisieren: „Es ist nicht deine Schuld, du kannst wirklich nichts dafür. Dein Bruder fehlt uns allen fürchterlich, aber du hättest seinen Tod nicht verhindern können.“ Ein anderer Ausdruck der Trauer ist der Zorn. Kinder ärgern sich beispielsweise sehr, wenn ein Buntstift gerade nicht zu finden ist. Große Fröhlichkeit kann durchaus unmittelbar auf intensive Trauerschübe folgen. Das Wichtigste ist es, mit dem Kind mitzugehen. Man soll die Gefühle vom Kind nicht wegreden, sondern ihnen Rahmen und Zeit bieten ausgelebt zu werden.

Es ist vollkommen normal, dass das Kind ca. ein halbes Jahr nach dem Tod seines Geschwisterkindes braucht, um wieder „zu sich zu kommen“. Innerhalb dieser sechs Monate kommt es zu Erlebnisreaktionen: das Kind phantasiert, ist oft traurig oder bei Kleinigkeiten wütend, zieht sich zurück. Wenn man nach dieser Zeit das Gefühl hat, der Zustand des Kindes verschlechtert sich und man immer weniger Zugang zu ihm findet, sollte man jedoch Behandlungsmöglichkeiten erwägen. In Familienberatungsstellen bekommen Eltern Unterstützung bzw. Informationen über geeignete psychologische bzw. psychotherapeutische Hilfe für ihr Kind. 

Bei plötzlichen, tragischen Schicksalsschlägen und Unfällen steht das Kriseninterventionsteam vom Roten Kreuz Eltern und Kindern zur Seite. Bei tödlichen Erkrankungen von Kindern bieten MitarbeiterInnen des Kinderhospiz den Verbliebenen auch nach dem Tod des schwerst erkrankten Kindes Begleitung. Diese, in vielen Fällen dringend nötige Hilfe ist wichtig, denn der unbehandelte tragische Verlust kann die Seele so überfordern, dass auch bei Kindern eine Depression entsteht. Professionelle Unterstützung fördert die Kinder, vom Geschwisterchen gut Abschied zu nehmen, sich der eigenen Zukunft zu öffnen und „ja“ zum Leben zu sagen.