Hände liegen auf Sarg

Plötzlicher Tod Kinder – wie schaffen es Eltern

Der Tod trifft uns fast immer unvorbereitet. Wenn Kinder früher sterben als ihre Eltern, erleben wir es als unnatürlich und ungerecht. Der Schmerz ist unfassbar groß. Was Eltern in solchen Situationen durchmachen, wo und welche Hilfe sie in Anspruch nehmen können, als auch wie man als Nahestehender damit umgehen kann, erklärt Dr. Martina Pauli, klinische Psychologin an der Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz.

Eltern können im ersten Moment sehr unterschiedlich auf den Tod ihres Kindes reagieren. Sie stehen unter Schock, sind hilflos, ratlos, irritiert und verzweifelt, oder sie bleiben erstaunlich gefasst, scheinen das Geschehene noch nicht zu begreifen. Fachlich wird diese Reaktion als erste von vier Trauerphasen beschrieben. Ein Merkmal der zweiten Phase sind die aufbrechenden Emotionen wie Wut, Schmerz, Zorn und Niedergeschlagenheit. Man kann sich nicht vorstellen, das Leben trotz des großen Verlustes weiterleben zu können. Fragen „warum ist uns das passiert“, „wieso lässt Gott das zu“, „hätten wir es verhindern können“ werden immer wieder gestellt. Man fühlt sich vom Leben ungerecht behandelt, erlebt eine Strafe wo es keinen Anlass gibt.

Weder Psychologen noch Berater können die Warum-Frage beantworten. Was sie aber sehr wohl können, ist Hilfe bei der Neuorientierung anzubieten. Oft helfen schon wenige Beratungsgespräche um besser zu verstehen, wo stehe ich, wo steht mein Partner, was braucht jedes einzelne Familienmitglied in dieser schwierigen Zeit. Da die Trauerphasen bei Eltern meist nicht parallel verlaufen, sollte man nicht verlangen, dass der Partner genauso trauert, wie man selbst. Für ein Familienmitglied ist es hilfreich auf den Friedhof zu gehen und mit dem toten Kind zu sprechen, ein anderer braucht den Halt über die Arbeit oder körperliche Betätigung. Diese Freiheit darf man einander lassen. Ein Neubeginn ist dann möglich, wenn jeder seine Gefühle durchlebt und sich damit auseinander setzt.

In der dritten Phase des Suchen und Sich-Trennen wird oft ein intensives inneres Zwiegespräch mit dem Kind erlebt. Das gemeinsame Leben, Besonderheiten vom verstorbenen Kind werden erinnert und die innere Entscheidung wieder „ja“ zum Leben zu sagen beginnt zu reifen.

In der vierten Phase entsteht ein neuer Selbst- und Weltbezug. Es kehrt allmählich wieder der Alltag ein, das verstorbene Kind hat seinen Platz gefunden und zaghaft werden wieder neue Pläne geschmiedet.

Als nahe stehende Person ist es wichtig, diese Phasen zu respektieren und Eltern nicht zu drängen, schneller und besser zu verarbeiten. Man sollte von ihnen auch nicht sofort ein „normales“ Weiterleben ohne Wut, Trauer und Tränen erwarten. Statt dessen sollte man ein offenes Gespräch mit den Betroffenen anstreben. Man darf seine Gefühle äußern. „Mir fehlen die Worte, es schmerzt mich so sehr, ich weiß nicht recht, wie ich mich verhalten soll...“ Denn Fragen helfen dabei, einander besser zu verstehen und in dieser schwierigen Zeit sich zu begegnen und zu begleiten. Gespräche mit der Familie, mit Freunden und nahen Kollegen helfen den Verlust zu verarbeiten und sind die wichtigste Ressource trauernder Eltern.

Professionelle Hilfe wird durch das Rote Kreuz, Kriseninterventionsstellen und entsprechende Einrichtungen der jeweiligen Region angeboten.