Frau wird gewürgt

Physische oder psychische Gewalt: Hilfe durch Beratung

Gewalt kann auf viele verschiedene Arten ausgeübt werden: psychisch, physisch, sexuell oder ökonomisch. Zur psychischen Gewalt zählen verbale Erniedrigungen, Bedrohungen, Beschuldigungen, Mobbing und Stalking. Ebenso kann es sich dabei um Verleumdungen, Ignoranz oder bewusste Falschaussagen über eine Person handeln. Psychische Gewalt ist oft schwer zu identifizieren und ihre Narben manchmal sogar schwerer zu heilen als bei physischen Misshandlungen. Der Grund dafür: Die psychische Stabilität wird aus dem Gleichgewicht gebracht und das Selbstwertgefühl ausgehöhlt. 

Bei physischer Gewalt handelt es sich um jegliche Form von körperlichem Übergriff – angefangen von Stößen bis zu Schlägen und schweren Misshandlungen. 

„Sehr viele Frauen erleben in ihrer Beziehung sowohl physische als auch psychische Gewalt“, erklärt Dr. Bettina Zehetner, www.frauenberatenfrauen.at. „Studien zeigen, dass in Österreich jede 5. Frau körperlich oder sexuell misshandelt wird. Europaweit ist sogar jede 3. Frau davon betroffen. Da dieses Thema noch immer schambesetzt ist, sind die Dunkelziffern allerdings mit Sicherheit hoch.“ Körperliche Misshandlungen gehen meist zu Ende, wenn mit der Beziehung Schluss ist. Psychische Übergriffe können jedoch länger andauern, vor allem wenn Kinder involviert sind und man mit dem Ex-Partner noch zu tun hat. 

Zehetner: „Zur Bewusstwerdung braucht es Zeit und oft ist dieser Prozess schmerzhaft. Durch das Erkennen, was alles ertragen wurde, entsteht womöglich das Gefühl, dass es einem noch schlechter geht.“ Manchmal wirken sich jahrelange Quälereien sowohl körperlich als auch psychisch oder psychosomatisch aus. Das können Schmerzen im Bewegungsapparat sein, Herz-, Magen- oder Verdauungsprobleme und auch psychogene Leiden, wie zum Beispiel starke Kopfschmerzen ohne organische Ursache, Depressionen, Angstzustände, Panikattacken, Essstörungen oder selbstverletzende Handlungen. 

Welche Maßnahmen können Betroffene setzen? „Vielen Frauen hilft es schon, wenn sie uns anonym schreiben. Der schriftliche Kontakt ist in vielen Fällen ein Türöffner zu einer persönlichen Begegnung. Das ist oft schon ein großer Schritt“, so die Expertin. „Das Aufschreiben – also Wegschreiben – des Erlebten kann schon entlasten. Wie schnell die leidtragende Person wieder zu Kräften kommt, hängt auch mit ihrer Fähigkeit zur Resilienz zusammen – damit ist die psychische Widerstandsfähigkeit gemeint.“ 

In den Beratungsstellen unterstützen geschulte Fachkräfte mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung Frauen behutsam dabei, wieder Selbstvertrauen zu gewinnen und eigene Perspektiven zu erlangen.