Pflegefamilien und ihre Pflegekinder – ein oftmals schwieriges Verhältnis

Pflegefamilien und ihre Pflegekinder – ein oftmals schwieriges Verhältnis

Elke Heilborn, klinische und Gesundheitspsychologin, Klienten zentrierte Kinder- und Jugendtherapeutin am Institut für Familien- und Jugendberatung in Linz, ist unter anderem dafür zuständig, Paare, die sich um Pflegekinder bewerben, psychologisch zu prüfen. Sie weiß genau, welche Probleme in der Beziehung zu Pflegekindern entstehen können. „Wichtig ist, dass ein Pflegekind niemals ein Ersatz für ein leibliches Kind sein kann! Man nimmt ein Kind auf, das bereits einen Rucksack an Belastungen mit sich herumträgt, ein Kind, das leibliche Eltern hat und in vielen Fällen auch weiterhin zu ihnen Kontakt haben wird.“ Ein weiterer Punkt sei auch, dass das Pflegeelternverhältnis auch wieder enden könne – beispielsweise, wenn die leiblichen Eltern nach sorgfältiger Prüfung ihr Kind wieder zugesprochen bekommen.

Im eigentlichen Zusammenleben ist schon die erste Phase, laut Heilborn, eine besondere Herausforderung: „Diese Kinder sind am Anfang oft sehr zugänglich, fast schon distanzlos. In weiterer Folge testen sie aber meist aus, ob die neuen Eltern sie tatsächlich mögen, ob die Beziehung auch hält. Diese Phase der Überprüfung kann aufgrund früherer negativer Bindungserlebnisse auch heftig ausfallen.“ Auch der Kontakt mit den leiblichen Eltern sei immer wieder mit Schwierigkeiten verbunden: Die Kinder verherrlichen diese oft und sie sitzen diesbezüglich auch oftmals zwischen den Stühlen. Manchmal ist es schwierig, nicht in die Konkurrenz-Falle zu tappen „Wer sind die besseren Eltern“. Hier sei es seitens der Pflegeeltern besonders wichtig, respektvoll zu sein und es auch auszuhalten, dass die leiblichen Eltern für das Pflegekind so wichtig sind obwohl die Pflegeeltern einen Großteil der Erziehungsarbeit leisten und den Alltag mit dem Kind leben.  
Und dies, weil Pflegekinder oftmals spezielle zusätzliche Förderungen bräuchten, das kann Ergotherapie, Logopädie oder auch Psychotherapie sein. Viele haben aufgrund ihrer Vorgeschichte mit teils massiven Folgeerscheinungen wie Entwicklungsrückständen, Aufmerksamkeitsproblemen, sozialen Schwierigkeiten uvm. zu kämpfen.
Dennoch sei es natürlich eine schöne Aufgabe, einem Kind, das nicht so viel Glück hat, einen sicheren Platz zum Aufwachsen zu bieten.

Wer zu diesem Thema Hilfe braucht, kann sich gerne an eine der Familienberatungsstellen wenden.