Familie

Patchwork-Familien – wie kann das gut gehen?

Wenn neue Partner und einander bislang fremde Kinder in einer Patchwork-Familie aufeinandertreffen, so ist das ein oft langwieriger Prozess, bis alles einigermaßen rund läuft. „Die neuen Partner brauchen Zeit, alte Verletzungen aufzuarbeiten, um diese nicht in die neue Beziehung zu übertragen. Auch die Kinder benötigen zwei bis drei Jahre, um den Verlust der Ursprungsfamilie zu betrauern, auch wenn sie die Trauer vielleicht nicht direkt zeigen“, weiß die Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Magistra Andrea Holzer-Breid von der Beratungsstelle Beziehungleben in Linz.

Jedes Familienmitglied muss in der neuen Konstellation erst seinen Platz finden und das sei eine große Herausforderung an alle, die nicht immer harmonisch ablaufen kann. 

Den Eltern empfiehlt Holzer-Breid, mit ihren Kindern über die Situation zu reden, ihnen Verständnis zu zeigen und Zuwendung zu schenken. Je besser sich ein Kind in seiner Situation verstanden und akzeptiert fühlt, umso leichter kann es den Stiefelternteil in seinem Leben und seinem Herzen einen Platz einräumen.

Zum Organisieren und Managen einer Patchwork-Familie brauche es viel Zeit und viele Gespräche, meint Holzer-Breid. Die Vorstellungen von Erziehung und Beziehung mit den Kindern sollten so gut wie möglich zwischen den Patchwork-Eltern abgesprochen werden. Respekt, Offenheit und Wertschätzung sind zentrale Haltungen im Umgang der Eltern miteinander und mit den Kindern. Dabei sei es auch ganz natürlich und legitim, dass ein Elternteil mal strenger ist und der oder die andere lockerer. „Kinder brauchen beides, das Strenge und das Lockere. Dazu haben sie zwei Elternteile“, so die Expertin.

Ein Problem sei es, wenn sich der Patchwork-Elternteil ungefragt in die Erziehung einmischt, weil er oder sie glaubt, dass er/sie der bessere Erzieher sei. Das kann zu großen Spannungen führen. Aber auch umgekehrt: Wenn Männer in die Rolle des strafenden Vater gedrängt werden, sind massive Konflikte vorprogrammiert.

Eine weitere Herausforderung könnte sein, dass ein Patchwork-Elternteil gerne die „Nummer Eins“ für den Partner/die Partnerin sein möchte. Das wird im Alltag nicht immer möglich sein. Oft werden die Kinder an erster Stelle stehen. Es ist wichtig, dass sich angehende Patchwork-Eltern darüber bewusst sind, weil sonst ein Machtkampf um die Gunst der Partnerin/des Partners entstehen kann.

Wenn Kinder in die Rolle des Partnerersatzes für einen Elternteil gekommen sind, kämpfen diese ebenfalls oft darum, der wichtigste Mensch im Leben der Mutter oder des Vaters zu bleiben. Auch hier hilft viel Geduld, Disziplin und Liebe. 

Die Zeit als Liebespaar ist für Patchwork-Eltern besonders notwendig. Damit sie die Kraft haben, die vielschichtigen Herausforderungen anzugehen und täglich zu lösen, sollten regelmäßig Inseln für die Paarbeziehung geschaffen werden.

Gute ÜbersetzerInnen für die Bedürfnisse von Kindern in Patchwork-Familien sind die Berater/innen an den österreichischen Familienberatungsstellen. Diese haben viel Erfahrung und helfen gerne bei allen Konflikten und Problemen, die aus dieser Lebensform resultieren.