Mutter und Tochter sitzen einander gegenüber und sehen einander an. Die Tochter sagt dabei etwas zur Mutter, die Mutter hört ihr zu.

Oma und Opa sind schrullig …

Irgendwann kommt die Zeit, wo das Zusammenleben mit der älteren Generation schwierig wird. Viele Menschen in fortgeschrittenem Alter entwickeln Schrullen, mit denen man als Angehöriger erst lernen muss umzugehen: Sturheit, Starrköpfigkeit, nicht loslassen vom Alten, vereinnahmen oder unter Druck setzen der Kinder, Verlustangst.

Solche Eigenschaften gehen stets auf die persönliche Lebensgeschichte zurück. Im Alter verstärken sich individuelle Grundsätze. Manche Menschen „klammern“ sich richtiggehend daran. Zurückweisen oder dagegenreden ist dabei nicht sinnvoll – der Standpunkt wird dann nur verstärkt vertreten.

Mag.a Andrea Holzer-Breid, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei BEZIEHUNGLEBEN.AT in Linz, weiß außerdem: „Die Bedürfnisse von Menschen bleiben auch im Alter die gleichen: Man ist immer gerne wandern gegangen, hat gern Tennis gespielt oder gelesen. Nun stellen sich körperliche Grenzen ein. Man kann nicht mehr gut gehen, sehen oder hören. Dies verringert den Spielraum. Menschen erleben das als Verlust und werden traurig oder wütend. Im Alter muss man von vielem Abschied nehmen und loslassen. Weil manchen Menschen das schwerfällt, halten sie daher noch stärker an bisher Gewohntem fest. Das kann dazu führen, dass man in manchen Punkten dann sonderbar wirkt …“

Wichtig für die Angehörigen: Die Schrullen nicht zu ernst nehmen, die Menschen aber schon. Nicht ironisch reagieren oder die Marotten abwerten. „Bleiben Sie möglichst liebevoll und zeigen Sie Verständnis.“ Am besten verlässt man sich auf das eigene Gefühl.

Man kann versuchen zu verstehen, warum etwas dem alten Menschen so wichtig ist. Dazu hilft es, nach seiner Geschichte zu fragen. Zum Beispiel: „Warum dürfen eigentlich die Kinder bei dir nichts angreifen?“ Die Antwort vielleicht: „Weil wir damals im Krieg alles verloren haben. So hat jedes Ding, das sich dein Vater und ich angeschafft haben, einen großen Wert.“

Man kann die Dinge benennen, die man erlebt: „Ich habe den Eindruck, du bist traurig, dass du nicht mehr so gut gehen kannst und so auf uns angewiesen bist.“ Dadurch fühlt sich der alte Mensch verstanden.

Man kann Anerkennung geben: „Du kannst wirklich besonders gut kochen!“

Die Beraterin erklärt außerdem: „Je älter man wird, umso klarer treten Grundbedürfnisse, wie essen, trinken, geliebt werden, ... wieder in den Vordergrund. Zusätzlich werden gesellschaftliche, moralische Filter/Hemmschwellen abgebaut.“

Sehr wichtig ist es dabei für Angehörige, Grenzen zu kommunizieren, um hilfreich bleiben zu können. „Ich verstehe, dass du dich einsam fühlst. Ich kann aber nicht jeden Tag, sondern nur einmal in der Woche kommen. Für die restliche Zeit müssen wir jemanden finden für dich. Oder gibt es vielleicht eine bessere Betreuungsform für dich, wo mehr Menschen anwesend sind?“ Es ist sinnvoll, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, die beiden Bedürfnissen und Möglichkeiten entspricht.

Wichtig zu wissen: Wenn ältere Menschen alleine leben und dadurch sämtliche Impulse wegfallen und Feedback ausbleibt, kann es zu Depressionen kommen.

Die Berater und Beraterinnen der österreichischen Familienberatungssstellen helfen und beraten gerne bei Problemen mit der älteren Generation.