Bub zeigt Stiefmutter Zunge

“Du hast mir nichts zu sagen – du bist nicht meine Mutter!“

Es gibt Einiges, das man tun kann, damit Kinder nach einer Trennung den oder die neue Partnerin akzeptieren lernen.

„Ganz wichtig ist es, dass man keine zu große Erwartungen von dem ersten Kennenlernen der neuen Partnerin oder des neuen Partners hat.“, diese Gefahr mit dementsprechender folgender Enttäuschung kennt Mag.a Alexandra Bachmair-Arracher, Klinische Psychologin, Elternbildnerin, Trennungs- und Scheidungsberaterin in der Familienberatungsstelle der Familienakademie Mühlviertel aus Gesprächen mit Betroffenen gut. „Man muss den Kindern Zeit lassen, egal in welchem Alter sie sind. Sie können nicht sofort Gefühle entwickeln oder eine Beziehung aufbauen.“ Wie kann aber der neue Partner oder die neue Partnerin bei diesem ersten Kennenlernen zu einem guten Verlauf beitragen? „Interesse zeigen am Kind und – vor allem wenn es sich um kleinere Kinder handelt – den Körperkontakt eher nicht aktiv suchen sondern warten, bis das Kind sich nähert.“, so Bachmair-Arracher. Wichtig sei es aber auch, sich vor diesem ersten Zusammenführen ausreichend Zeit zu lassen. Die neue Beziehung sollte soweit gefestigt sein.

Kommt es dann tatsächlich zu einem gemeinsamen Leben, so läuft das bei Patchworkfamilien laut der Erfahrung von Bachmair-Arracher in 3 Phasen ab. In der ersten steht gegenseitiges Beschnuppern, Abtasten und Kennenlernen an erster Stelle. Dann kommt der schwierigste Teil: Die Gewöhnungsphase. In dieser dürfen alle ihre Bedürfnisse formulieren, Gefühle müssen ihren Raum haben und es finden auch die klassischen Machtkämpfe statt. „Wichtig ist es, den Kindern möglichst ihren Freiraum zu geben.“, weiß Bachmair-Arracher. Eine Gefahr stecke häufig in der typischen Vermittlertätigkeit der leiblichen Eltern zu den neuen Partnern. Das Paar muss sich vor allem darüber einig sein, wie erzogen wird, und dass möglichst beide gleichberechtigt etwas zu sagen haben. „Natürlich kommt es oft schon bei Kleinkindern zu Aussagen wie: ‚Du bist ja gar nicht meine Mama.’ Hier sollte die Angesprochene die Aussage bestätigen und dennoch das, was sie sich wünscht weiter einfordern: ,Ja, das stimmt. Ich bin nicht Deine Mama. Dennoch wohnen wir hier gemeinsam und ich wünsche mir, dass du …“, rät Bachmair-Arracher.

Leider bleiben in dieser zweiten schwierigen Phase viele Patchworkfamilien stecken. „Da setzt dann häufig unsere Beratung an. Betroffene kommen zur Familienakademie Mühlviertel, alleine oder auch zu zweit: Wir lassen uns die Situation genau schildern, fragen viel nach, und beginnen dann gemeinsam an Lösungsmöglichkeiten zu arbeiten.“, erzählt Bachmair-Arracher aus ihrer Praxis.

Viele Familen schaffen es dann auch in die dritte Phase, jene der Integration und Stabilität. „Hier ist dann alles klar. Die Rollen sind abgesteckt und klar verteilt.“