Neustart nach der Krise

„Eine Krise muss nicht immer ein negatives Erlebnis sein. Es gibt auch bevorstehende Ereignisse, die Menschen in eine schwierige Lage bringen“, so Mag. Michael Thaler, klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe und Leiter des Fachbereiches Familienberatung am Institut für Sozialdienste in Dornbirn. Es könnten etwa eine Hochzeit, eine bevorstehende Geburt, Angst vor der Zukunft oder ähnliche Situationen sein, die Menschen in einen krisenartigen Zustand bringen.  In diesem Fall sei es laut des Beraters wichtig, möglichst rasch aktiv etwas zu unternehmen, um nichts Unüberlegtes zu tun oder psychische Probleme zu bekommen. „Es kann schon sehr helfen, sich mit Kollegen oder Freunden auszutauschen, die möglicherweise in einer ähnlichen Lage sind oder waren. So kann man sich Tipps holen und man sieht, dass man nicht alleine ist mit seinem Problem,“ weiß Thaler. In weiterer Folge könne man auch mit Selbstreflexion eine Menge erreichen und dabei folgende Fragen durchgehen: Was ängstigt mich konkret? Woher kommen diese Ängste? Was kann mir eigentlich schlimmstenfalls passieren?

Schwieriger wird es, wenn man durch ein traumatisches Erlebnis in eine Krise gestürzt wird. Sei es Jobverlust, eine schwere Krankheit oder Tod eines Kindes/Lebenspartners. „Suchen sie möglichst früh professionelle Beratung auf. In wenigen Terminen kann man miteinander arbeiten und Positives in der momentanen Situation finden, das aus eigener Sicht nicht mehr erkennbar ist. Gemeinsam wird an Zukunftsperspektiven gearbeitet und so fasst man sukzessive wieder Lebensmut.“ In den Beratungsgesprächen wird dabei an Fragen gearbeitet, die neuen Mut machen sollen: Was war davor da, was noch immer da ist? Was habe ich greifbar Positives in meinen äußeren Rahmenbedingungen? Wer bin ich überhaupt und wo will ich hin?

Schwer traumatische Ereignisse können aber auch einen lebenslangen Prozess nach sich ziehen: „Es gibt eine Reihe von Symptomen, die man erklären können muss. Grübelattacken, inneres Taubheitsgefühl – all das ist normal und kann sich über lange Zeit ziehen.“ Letztendlich müsse man die Trauerzeit zulassen, aber auch wieder Normalität schaffen und sein Netzwerk erhalten und erweitern. „Ehrlichweise muss man aber auch sagen: Nicht jeder schafft den Weg heraus. Daher mein Rat: Wenden Sie sich so früh als möglich an einen Profi.“, so Thaler.

Die in ganz Österreich vertretenen Familienberatungsstellen stehen mit ihren Beratern und Beraterinnen kostenfrei jederzeit für ein Gespräch in einer Krisensituation zur Verfügung.