Mann zweifelt

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Neue Liebe – sind Kompromisse möglich?

Auf der Suche nach einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner erstellen viele Menschen bewusst oder unbewusst eine innere Wunschliste: Wie hat sie oder er zu sein? Welche Eigenschaften muss sie oder er mitbringen? Gerade in Zeiten von Online-Partnerschafts-Plattformen scheint es möglich, wählerisch zu sein. Paula Wintereder ist diplomierte Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin der Beratungsstelle der Diözese Linz der Katholischen Frauenbewegung. Sie empfiehlt, zuvor zu reflektieren und die eigenen Erwartungen zu hinterfragen: „Eine erste Frage an sich selbst muss sein: Was habe ich zu bieten? Und vor allem: Wo sind meine Verletzungen, die möglicherweise in den vergangenen Partnerschaften entstanden sind?“ Oftmals kämen die Vorstellungen, wie eine neue Partnerin, ein neuer Partner zu sein habe, aus dem Bedürfnis des inneren Kindes. „Es können schon sehr frühe Kindheitserfahrungen dazu führen, dass man in Beziehungen immer wieder dasselbe Muster erlebt. Daher ist es wichtig, mit einem Profi herauszufinden, welche das sind. So wird es möglich, diese Muster nun aufzulösen und zu unterbrechen. Denn die Partnerschaft ist nicht dafür zuständig, Wunden aus der Kindheit zu heilen.“ Wintereder arbeitet in ihren Beratungen zu diesem Zweck mit Familien-Aufstellungen, die in diesen Fällen sehr hilfreich sein können.

Ein weiterer Tipp des Profis ist, sich damit auseinanderzusetzen, ob das Leben als Single nicht ebenfalls erfüllend sein könnte: „Wer damit versöhnt ist, alleine ebenfalls ein schönes Leben haben zu können, hat eine wesentlich bessere Ausgangsbasis.“ Habe man eine zu große Sehnsucht nach einer Partnerschaft, würde man viel zu lange über eigene Grenzen gehen und Verhaltensweisen ertragen, die einem im Grunde nicht gut tun. Dieser Kompromiss führe langfristig zu Unzufriedenheit.

„Finden Sie heraus, was Sie aus den vergangenen Beziehungen gelernt haben. Sensibilisieren Sie sich für Verhaltensweisen bei sich und dem potenziellen Partner, die in der Vergangenheit nicht gut für Sie waren“, so die Beraterin. Sich selbst ernst und wichtig zu nehmen sei hier ein wichtiger Schritt.

Wenn es dann zu einem Date kommt, sei es entscheidend, den Menschen vorerst zu erspüren. Ist sie oder er sympathisch? Zeigt sie oder er sich verbindend? Wie spürt es sich an? Das rasche Abhaken der Wunschliste sei hier eher hinderlich. Wie ein Mensch tatsächlich ist, zeige sich ohnehin erst nach einer gewissen Zeit. „Sprechen Sie zu einem passenden Zeitpunkt mögliche Verletzungen aus vorherigen Partnerschaften an – versuchen Sie möglichst ehrlich zu sein und vermitteln Sie Ihre Bedürfnisse. Überfordern Sie dabei aber nicht Ihr Gegenüber, versuchen Sie, sensibel vorzugehen. An der Reaktion kann man dann schon Einiges erkennen“, rät Wintereder. 

Wer sich mit einem Profi über die innere Wunschliste bei der Partnersuche austauschen will, kann sich zu einem kostenfreien Gespräch gerne in einer der österreichischen Familienberatungsstellen anmelden. Mit der Suchfunktion auf dieser Homepage finden Sie schnell und einfach die nächstgelegene Beratungsstelle in Ihrer Nähe.