Glückliches Paar im Grünen. Der Mann hält die Frau im Arm.

Neue Beziehung nach der Trennung – muss man warten?

One-Night-Stands, heiße Affären und aufregende Liebesbeziehungen sind Varianten, mit schmerzhaften Trennungen nunmehr „Young, Free & Single“ umzugehen. Aus solchen oberflächlichen Bekanntschaften wird aber in manchen Fällen mehr. In der trauten Zweisamkeit erlebt man wieder Aufmerksamkeit und Anerkennung. Frühere Kränkungen und Verletzungen werden kaum mehr spürbar und die feine Leichtigkeit des Verliebtseins stellt sich wieder ein.

Ob dieser Weg aus dem Gefühlschaos in eine neue Partnerschaft der richtige ist, weiß Silvia Korlath. Sie ist Beraterin im Familienzentrum der Caritas der Erzdiözese Wien, und aus der Praxis kennt sie die Gefahren einer solchen „Abkürzung“ aus dem Trennungsprozess: „Wenn ich nach einer schmerzhaften Trennung sehr bald eine neue Partnerschaft beginne, bleibt zu wenig Zeit für den Abschied. Trauer, die da ist, wird nicht mehr so beachtet, denn das Neue deckt viele Gefühle zu, die später wieder erwachen.“

Neben dem Trennungsschmerz sind es auch unreflektierte Beziehungsmuster, die wieder auftauchen können: „Wer nach einer Trennung nicht weiß, was schiefgegangen ist, der läuft Gefahr, dieselbe negative Erfahrung wieder zu machen. Es ist deshalb wichtig zu erkennen, was zur Trennung geführt hat und was der eigene Anteil daran war. Die österreichischen Familienberatungsstellen können hierbei unterstützen und den Trennungsprozess begleiten“, so die Expertin.

„Es ist für jeden wichtig, aus früheren Beziehungen zu lernen, diese nicht abzuwerten, das Gute zu schätzen und sich zu verabschieden. Frei und offen für eine neue Beziehung ist man, wenn man bewusst losgelassen hat. Man sollte sich dafür Zeit nehmen und die Beziehung reflektieren, Klarheit gewinnen und akzeptieren: Wie hat es begonnen? Was ist passiert? Wie ist die Trennung abgelaufen? Hat man gekämpft? Welche Verletzungen sind passiert? Was hat man Gutes erlebt? Es hilft, die Beziehung als Ganzes zu betrachten“, erklärt die Beraterin.

„Für eine neue Partnerschaft ist das Betrauern oft schwierig, auf lange Sicht ist es aber immer besser, wenn die alte Beziehung abgeschlossen wird. Der neue Partner kann dabei durch Akzeptanz unterstützen, aber auch Expertenhilfe ist ratsam, wenn die neue Beziehung belastet ist. Die österreichischen Familienberatungsstellen und Psychotherapeuten können dabei helfen. Es kann auch Klarheit bringen, Freunde zu fragen, wie sie die Beziehung gesehen haben. Wesentlich ist dabei der Blick von außen“, weiß Silvia Korlath.

Hat man Kinder, so rät die Expertin davon ab, ihnen sehr bald nach der Trennung einen neuen Partner als „neue Mama“ oder „neuen Papa“ vorzustellen. Wie sie mit der Situation umgehen hängt sehr davon ab, wie die Trennung erlebt wurde. „Man sollte altersadäquat mit ihnen über neue Partner sprechen und darf dabei ruhig nach dem Gefühl gehen, wann und wie das passiert“, so die Beraterin. Das Verheimlichen hält die Expertin für wenig ratsam, „denn Kinder spüren alles und werden verunsichert, wenn sie keine Antworten bekommen... Oberflächliche Bekanntschaften sind freilich nicht mit den Kindern zu besprechen, ein neuer Partner hingegen kann ihrer Entwicklung sogar guttun“, merkt Silvia Korlath abschließend an.