Paar, Rücken an Rücken

Narzissmus und Arschloch-Faktor in der Beziehung: Die Perspektive zählt

Egomanen bekommen in unserer modernen, westlichen Gesellschaft viel Aufmerksamkeit – auf der kleinen wie auch auf der großen Bühne. Martin Krautschneider, Sozialpädagoge, Psychodrama-Psychotherapeut, tätig in der „Familienberatung Am Schöpfwerk: „Wir leben in einer Singularitätskultur. Auf der kleinen Bühne sucht man Aufmerksamkeit derzeit weniger über Besitz als über Spiegelung – also etwa über Likes in den sozialen Medien.“ Dies erreiche man durch Selbstdarstellung, Präsentation des eigenen Erfolgs und Darstellen seines Könnens und Wirkens.

Auch bei Paaren sei dies ein ganz großes Thema: „Es geht immer mehr um Gier und Neid. Der jeweils andere wird in seiner Wirksamkeit oft kritisiert und es entsteht ein Machtgefälle.“ Meist würde dann eine Dynamik entstehen, die zu einer „Täter-Opfer-Retter“ Rollenverteilung führt.

Krautschneider dazu: „Ganz häufig empfinden sich beide als Opfer – und es haben meist tatsächlich beide Macht. Es ist also nie eine/r alleine das sogenannte Arschloch. Hier muss man immer das ganze Bild sehen.“ So bleibe dann kein Platz mehr für die Liebe.

Häufig würden Frauen bewusst Macht ausüben, indem sie Körperlichkeiten verweigern. Männer hingegen, indem sie emotional ausweichen, auf stur schalten und immer weniger Zeit und Energie in die Paarbeziehung investieren.

Auch wenn es immer ein Ungleichgewicht in einer Beziehung gäbe, so würden erst nach den ersten sechs Monaten der Verliebtheitsphase die ersten Probleme daraus entstehen, die ersten Hick-Hacks auftreten. Man will dann häufig auch nicht mehr zuhören, was der andere zu sagen hat.

Kochrezepte dagegen gäbe es laut dem Berater nur bedingt. Er empfiehlt jedoch vor allem Humor: „Das hebt auf die Metaebene und man befreit sich oft von momentanem Groll.“

Auch Individualitätspausen wie etwa Mini-Meditationen, Spaziergänge alleine oder Ähnliches sind laut Krautschneider sinnvoll. Dabei solle Erlebtes reflektiert werden, man kann sich aus der Hektik herausnehmen und sich selbst neu entdecken.

Wichtig sei auch, immer wieder die Perspektive des anderen einzunehmen, den Blickwinkel auf den anderen zu verändern, sich ein Bild über die Beziehung zu machen.

Über alledem steht jedenfalls auch Qualitätszeit miteinander, was oft in der Hektik des Alltags oder mit Kindern nicht so leicht möglich ist.

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