Alt und Jung halten sich an der Hand

Nahender Todesfall und jahrzehntelanger Streit...

Viele Menschen erleben innerfamiliäre Konflikte, die sich aufbauschen und zu einem endgültigen Bruch führen. Häufig passiert dies mit Elternteilen oder Geschwistern. Wenn einer der beiden Verfeindeten dann aber nahe davor steht, aus dem Leben zu scheiden, stellt sich die Frage: Wie geht man damit um? Wünscht man sich noch eine Versöhnung? Soll man den Anderen den Streit mit ins Grab nehmen lassen?

„Der Nicht-Kontakt erfüllt im Konflikt manchmal eine wichtige Schutzfunktion – man schützt sich selbst und den Anderen“, weiß Christiana Klimka, Beraterin bei Rat und Hilfe in St. Pölten. „Wenn man selbst noch sehr darunter leidet, ist es besser, einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Das darf und soll man sich zugestehen.“

Natürlich ist vorab auch zu beantworten, ob der Sterbende bereit und ein Kontakt für ihn/sie zumutbar ist. „Das Spektrum der Emotionen ist in solchen Situationen sehr breit und individuell. Es gibt in vielen Fällen Taumata – doch die Zeit heilt viele Wunden. Das ist nicht zu unterschätzen“, meint die Expertin, „angesichts der Umstände relativiert sich zudem Vieles.“

In der Beratung wird zunächst diese Bereitschaft zur Auseinandersetzung ausgelotet. Das eigenverantwortliche Handeln steht im Zentrum und wird stets durch den Berater/die Beraterin begleitet. Wird die Aussprache gewünscht und ist auch der Sterbende bereit dazu, so bietet die Beratung Orientierung und die Erarbeitung von Möglichkeiten in der Kontaktaufnahme sowie in der Begegnung. Die späte Lösung des Konflikts ist nicht das primäre Ziel, sondern die Aussöhnung, die eine Verbesserung der Lebensqualität für den Verbleibenden und Frieden für den Sterbenden bedeutet. „Den richtigen Weg gibt es nicht, vielmehr gilt es, selbstreflektiert und verantwortungsvoll den eigenen Weg zu gehen“, so die Beraterin abschließend.

Christiana Klimka ist Ehe-, Familien- und Lebensberaterin und eingetragene Mediatorin und arbeitet als Beraterin bei Rat und Hilfe – Caritas St.Pölten. Zum Thema informieren und unterstützen Sie auch die Beraterinnen und Berater der österreichischen Familienberatungsstellen.