Tochter (mittleres Alter) schenkt Mutter blumen

Ist der Muttertag noch zeitgemäß?

Ob Muttertag in einer Familie gefeiert wird oder nicht ist oft traditionell gewachsen. Wir sind der Frage nachgegangen, wie man heutzutage mit diesem Feiertag umgehen kann.

„Viele Frauen stehen dem Muttertag sehr ambivalent gegenüber – mein Eindruck ist aber, dass die meisten Frauen ihm nicht mehr allzu große Bedeutung beimessen.“ 

DSA Katja Russo MAS von „Frauen beraten Frauen“ in Wien hat zwar nicht häufig mit Klientinnen zu tun, die den Muttertag thematisieren, denkt aber dennoch, dass es ein Thema ist, das Emotionen wachrufen kann. Vor allem Frauen, die um die historische Bedeutung dieses Feiertages wissen, seien oft abgeneigt, ihn zu feiern. „Politisch denkende Frauen die wissen, dass der Muttertag während der Zeit des Nationalsozialismus von der damaligen Ideologie vereinnahmt wurde, sehen ihn daher kritisch.“, so Russo.

Gesellschaftlich ist der Muttertag heutzutage ja auch durch die Mutterrolle geprägt: „Frauen mit Kindern kämpfen individuell –  berufstätig, alleinerziehend oder als „nur Hausfrauen“ egal, wie sie es machen, sie sind dabei immer angreifbar, ihr Tun wird selten wertgeschätzt und einheitlich positiv bewertet.“

Für den Partner ist es sinnvoll, den Muttertag ernst zu nehmen und zu versuchen, eine Form des Feierns zu finden, die für die Frau und ihn passt. Wie bei vielen Themen in einer Beziehung geht es auch hier darum, eine Balance zu finden, eine Ausgewogenheit bei der Erfüllung von Wünschen und Vorstellungen von beiden Beteiligten. So wäre es ja durchaus möglich, dass die Familie des Mannes traditionelle Muttertagsverweigerer waren und jene der Frau immer sehr ausführlich gefeiert hat. Russo empfiehlt: „Sprechen Sie das Thema sensibel an, klären Sie, wie ihre Frau zum Muttertag steht und versuchen Sie, ihre Wünsche zu akzeptieren und darauf einzugehen.“ Es können ja viele unterschiedliche Rituale sein, die da durch die Tradition in der Familie geprägt sind und diese gilt es – vor allem bei jungen Familien – herauszufinden.

Wenn die Sprösslinge älter werden, wird der Muttertag sehr stark vom Kindergarten oder der jeweiligen Ausbildungsstätte mitgeprägt. Kinder basteln, sagen Gedichte auf, machen Frühstück und freuen sich darauf, ihrer Mutter etwas (oft auch vermeintlich) Gutes zu tun. Wesentlich dabei ist die Wertschätzung, die Mütter und Väter den Bemühungen ihrer Kinder entgegenbringen, selbst wenn der Muttertag für sie nicht wichtig ist. „Wenn die Kinder größer sind können Eltern die den Muttertag kritisch sehen in Gesprächen ihre Werte vermitteln ohne die Kinder zu kränken oder in eine schwierige Position zu bringen.“ so Russo.