Ein Junge lacht einen anderen wegen seiner Größe aus

Mobbing in der Schule

Mobbing ist ein zunehmend häufig gebrauchtes Wort und beschreibt Gewalt eines Einzelnen oder einer Gruppe gegen einen Einzelnen. So wie das Phänomen am Arbeitsplatz auftreten kann, ist es längst auch an Schulen verbreitet. Warum werden Kinder in der Schule gemobbt? Wie kann man es verhindern? Wie kann man als Eltern helfen, wenn das Kind bereits gemobbt wird? Diplom-Sozialarbeiter Wolfgang Loidl, Familienberater in den Familienberatungsstellen des Instituts für Jugend und Familie und Schulsozialarbeiter beim Projekt „Jetzt – Soziale Arbeit in der Schule“ des Vereins Spektrum, Salzburg gibt Anregungen.

„Bei Mobbing in der Schule ist oft eine Gruppe gegen den Einzelnen.“ Es werden verschiedene Methoden eingesetzt, um diesen Einzelnen zu demütigen. Es wird belästigt, beschimpft, herabgewürdigt und oft auch körperlich schikaniert. Vielmals wird Mobbing einem Streit gleichgesetzt, oft von Erwachsenen so bagatellisiert („Sie vertragen sich gerade nicht, aber das wird schon wieder“). Doch Mobbing geht über längere Zeit, und meist „vertragen“ sich die Kinder/Jugendlichen nicht ohne Unterstützung wieder. Die Konstellation ist meistens die folgende: Es gibt einen oder zwei Mobber, eine Gruppe der Zuschauer (hier Klassenkameraden), und einen Gemobbten – das Opfer. Die Zuschauer könnten Mobbing verhindern, wenn sie sich trauen und stark sind. Oftmals tun sie es nicht, aus Angst selbst zum Opfer zu werden. So wird die Mobbing Aktion zu einem Muster, nahezu einem Ritual, das lange Zeit vor Außenstehenden verheimlicht werden kann.

Eine Schwierigkeit besteht im Erkennen eines Mobbingfalls. Lehrer merken oft von selbst nichts vom Mobbing, passiert es doch vor Unterrichtsbeginn im Schulhof, in den Pausen und nach der Schule. Oftmals betonen Lehrer im Unterricht, dass sie nichts von „Petzen“ halten. Vielleicht würden Schüler erzählen, was los ist, trauen sich jedoch nicht. Je länger dieses Ungleichgewicht in der Schule herrscht, desto schwieriger ist es für das Kind. Das Opfer verliert immer mehr von dem bereits angeschlagenen Glauben an sich selbst. Es denkt vielleicht sogar, es sei selbst „schuld“ an dem, was ihm passiert. Dadurch wird es immer mehr zum klassischen Opfer. Umgekehrt gewinnen die Täter an Selbstsicherheit, sie fühlen sich gestärkt durch den Mangel an Reaktion/Protest.

Deshalb nimmt hier die Prävention einen besonderen Stellenwert ein. Mobbing sollte bereits zu Beginn, in der Einschulungsphase thematisiert werden. Das Phänomen muss ausführlich erklärt und vor allem als inakzeptabel dargestellt werden. Die Botschaft: „Wenn es soweit ist, wenn ihr feststellt in so einem Gefüge zu sein, sucht Euch Hilfe! Je früher desto besser!“ muss klar und deutlich ausgedrückt werden. 

Auch die Erwachsenen im Umfeld des Kindes sollten darüber im Klaren sein, dass es sich hier um ein ernstes Problem, und keinen „Kinder-Kram“ handelt. Man sollte genau hinhören, wenn das Kind von der Schule und seinen Kameraden erzählt. Glaubt man herauszuhören, dass das Kind gemobbt wird, oder an Mobbing beteiligt ist, ist es Zeit zu handeln. Neben der Schule und ihren Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeitern, sind Beratungsstellen immer eine zu empfehlende Anlaufstelle. Auch hier können Vorgangsweisen erarbeitet werden, die allen Beteiligten helfen, möglichst rasch aus der Mobbingfalle auszusteigen.

Am allerbesten ist es natürlich, wenn das Kind aus dem Elternhaus das Gefühl mitnimmt „Ich bin ok“, wenn die Familie es zu einer starken Persönlichkeit werden lässt.  Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Kinder in Zukunft Mobbing-bedingte Probleme bekommen, ist deutlich geringer.