Mann blickt in die Ferne

Mit frischem Schwung ins neue Jahr

Auf kleinen Zettelchen oder nur im Kopf, im Notizbuch oder im Kalender – Neujahresvorsätze begleiten uns und werden zu Jahresbeginn wieder aktuell. Ob und wie diese eingehalten werden (können), erzählt Renate Holpfer von der Frauenberatung Oberwart.

Ich selber mache seit Jahren keine guten Vorsätze zum Jahreswechsel. Wenn ich es, beispielsweise, das ganze Jahr über nicht geschafft habe, mir meine Zeit besser einzuteilen, dann sorgt mein „innerer Schweinehund“ mit Sicherheit dafür, dass der gute Vorsatz spätestens am 2. oder 3. Jänner an Kraft verliert. Der Jahreswechsel eignet sich aus meiner Sicht viel besser dazu, das wohlwollend zu betrachten, was mir im letzten Jahr gelungen ist und woran ich Freude gehabt habe.

Während des Jahres nehme ich mir aber immer wieder Besserung vor. Dann helfe ich mir einerseits damit, dass ich das Vorhaben auf kleine praktische Schritte herunterbreche. Beispielsweise ist der Vorsatz, gesünder zu leben, zu umfassend und zu allgemein formuliert. Dadurch ist er im Hinblick auf die praktische Umsetzung zu unklar geworden. Hilfreicher ist es, mir zweimal die Woche einen Spaziergang und/oder einen Gemüsetag vorzunehmen.

Interessant ist immer wieder auch die Frage, welchen Gewinn ich davon habe, gegen einen neuen, guten Vorsatz zu handeln. Wenn es mir gelingt, einen guten Vorsatz einzuhalten, habe ich mir angewöhnt, mich dafür zu belohnen.

PartnerInnen und FreundInnen können hinsichtlich der Verwirklichung guter Vorsätze ausgesprochen hilfreich sein. Wenn ich, eine tendentielle Workoholic, mich nicht zum Gehen in frischer Luft aufraffen kann, ist jemand die/der die Verbindlichkeit eines gemeinsamen Spazierganges einfortert, Gold wert.

Gerade wir Frauen neigen oft dazu, uns selber weniger ernst zu nehmen, als unsere Umgebung und uns selbst gegenüber weniger verbindlich zu sein als zu unseren Mitmenschen.

Immer wieder suchen uns Frauen, Mädchen oder Paare auf, die dringend anstehende Vorhaben oder Veränderungen nicht umsetzen können. Sei es die Ordnung der Finanzen, die Verbesserung der Beziehung(en), die Veränderung der Lebensweise (z.B.: aufgrund von Krankheit, Burnout ect.) oder die Verbesserung von Schulnoten.

Zunächst wird geklärt:

  • welche Bedeutung ein guter Vorsatz für die Klientin/den Klienten, ggf. für die Familie hat, wer welchen Gewinn davon erwartet,
  • was genau das Ziel des Vorhabens ist. Die Formulierung sollte möglichst konkret sein (z.B.: mindestens einen Paar-/Familiennachmittag pro Wochenende reservieren, ein Plus auf dem Konto innerhalb eines Jahres, eine Verbesserung in Mathematik von der Note 5 auf eine sichere 4...),
  • welche Schwierigkeitenkönnten auftreten, mit welchen Verlusten ist zu rechnen? (Beispiel: Pro Wochenende steht ein Arbeitshalbtag weniger zur Verfügung oder der Kegel-, Fussball-, Kartenspielnachmittag wird geopfert)
  • wie der erste praktische Schritt ausschauen könnte,
  • wer aus dem persönlichen Umfeld unterstützend (Anruf zum gemeinsamen Spaziergang), wer hemmen sein könnte („Was, du rauchst jetzt keine Zigarette mit mir?),
  • wie eine angemessene Belohnung aussehen könnte.

KlientInnen finden in unserer Beratungsstelle erfahrene und kompetente Beraterinnen, die sie dabei unterstützen, ihre Veränderungsziele und –schritte so festzulegen, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit umgesetzt werden können. Gute Vorsätze können sich also das ganze Jahr über lohnen.