Gruppe mit Personen aus unterschiedl. Kulturen

Migrantenfamilien: Mehr Verständnis schaffen

Die Probleme zwischen Eltern und ihren Kindern sind zwar unabhängig von ihrer Herkunft, aber weit verbreitet.

Wenn es in Migrantenfamilien zu Schwierigkeiten innerhalb der Familienmitglieder kommt, so ist das meist davon abhängig, welchen Bildungsstand die Familie hat, welcher sozialen Schicht sie angehört und in welcher Situation sie sich befindet. Oft stehen die Eltern unter enorm finanziellem Druck, haben wenig soziale Kontakte und sind beruflich sehr ausgelastet. Das führt häufig dazu, dass für die Kinder wenig Zeit übrig bleibt.

DSA Emina Kofrc MA, Beraterin bei Zebra Graz, kennt die Probleme innerhalb solcher Familien sehr gut: „Die Kinder erfahren in den Kindergärten und Schulen neue Werte und Normen und bringen diese nach Hause und wenn die Eltern diese nicht kennen tut sich eine Kluft auf.“ Da viele Migranten-Eltern mangelnde Sprachkenntnisse haben und dadurch auch wenig Kontakt mit den Institutionen, in denen ihre Kinder untergebracht sind, fehlt auch hier oft jede Menge Information. „Das System in der Familie ist meist hierarchischer als in Österreich. Oft bestimmt Vater, was zu tun ist. Das geht aber dann nicht, weil kein Austausch stattfindet und ein Jugendlicher lässt sich das dann auch nicht gefallen. Autoritätsverlust manche Väter kann auch zu Konflikte führen.“

Vor allem in der Pubertät kommt es laut Kofrc häufig zu Querelen. Die Jugendlichen befinden sich dann in ihrer eigenen Kultur und haben oft von den Eltern auch nicht richtig vermittelt bekommen, aus welcher Kultur sie eigentlich stammen und welche Werte ihnen dadurch von den Eltern nahegelgt werden. Die Auseinandersetzung mit ihrer Ursprungskultur ist oft gar nicht ausreichend möglich. Kofrc: „Da ist dann entscheidend, wie stark die Tradition in der Familie und das kulturelle Verständnis ausgeprägt ist – aber das ist jedenfalls häufig eine Situation, wo Eltern und Jugendliche dann gar nicht mehr zusammenkommen.“ In diesem Fall kann die Beratungsstelle aber sehr gut helfen und vermittelt dann auch zwischen den Kulturen. „Wir plädieren immer auf gegenseitiges Verständnis und Kompromisse: Zwischen Eltern und Kindern aber auch zwischen Migranten und den Einheimischen. Außerdem sollte sich der Kontakt zwischen den Familien verbessern.

Erziehungsschwierigkeiten sind nicht spezifisch für die MigrantInnen und nicht unbedingt von der Herkunft abhängig! Nicht nur Migrantenfamilien haben Probleme – die haben alle! Und ein Austausch wäre hier sehr wichtig.“  So rät Kofrc Eltern, über die Freunde ihrer Kinder Kontakte zu knüpfen und die dann auch zum gegenseitigen Austausch zu nutzen.