Job Interview

Migranten/-innen bei Job- und Wohnungssuche – Vorurteile?

Wenn Personen mit Migrationshintergrund eine Wohnung suchen oder auch ins Berufsleben einsteigen möchten, kommt es häufig zu schwierigen Situationen: Der Eigentümer oder Arbeitgeber hat Vorbehalte wegen der Herkunft des Bewerbers, oft gepaart mit Minderwertigkeitskomplexen und mangelndem Selbstwert des Bewerbers. Finden eindeutige Diskriminierungen statt, so hilft die Gleichbehandlungsanwaltschaft, bei der man sich auf das Diskriminierungsgesetz berufen kann. In der Praxis gibt es schon einige Fälle, wo eine Berufung dieser Art tatsächlich gefruchtet hat und somit auch in der Öffentlichkeit für ein Umdenken sorgt.

„Viele Menschen sind tatsächlich im engeren Sinne fremdenfeindlich und die wichtigste Aufgabe ist, schon ab der Kindheit für Toleranz gegenüber anderen Kulturen zu sorgen. Ein großer Teil jener, die auch Wohnungen oder Jobs vergeben, hat aber auch nur Angst vor dem Neuen und Unbekannten. Sie wissen einfach nicht, was auf sie zukommt“, so Mag. Ruzica Lukic, Juristin und Rechts- und Familienberaterin beim Verein Viele in Salzburg. Wichtig sei immer zu hinterfragen: Was spricht wirklich dagegen, eine Migrantenfamilie in die Wohngemeinschaft zu bitten oder jemandem mit fremdem kulturellem Hintergrund einen Job zu geben?

„Wir versuchen auch, die Migranten/-innen, die bei uns Rat suchen, dahingehend zu stärken, dass sie diese Frage stellen. “, so Lukic. Die Bewerber müssen vor allem um ihre Stärken und Schwächen wissen – das sei wie bei jedem anderen das Essentielle in einer Bewerbungssituation. „Da haben viele Migranten/-innen Defizite, da sie oft ein geschwächtes Selbstbewusstsein haben. Teilweise auch durch negative Erfahrungen, die sie schon gemacht haben.“

Lukic macht Mut, die eventuellen Nachteile als Vorteile zu sehen: Vor allem in Pflegeberufen, speziell auch in der Altenpflege, gäbe es genügend Möglichkeiten. „Die Menschen können die selbe Sprache sprechen! Das ist oft für einen älteren Menschen sehr schön. Auch in der Gastronomie haben Arbeitgeber den Vorteil, dass sie durch ein diversifiziertes Team Gäste unterschiedlicher Kulturen ansprechen können …“

Man kann überall auch Gutes sehen. Vor allem darf man nicht vergessen, dass man auch sein eigenes Denken durch eine Person, die möglicherweise anders denkt und aufgewachsen ist, erweitert. Man profitiert selbst und so auch das ganze Team oder sogar die Hausgemeinschaft.

Wer Probleme mit Fremdenhass hat, jetzt auch besonders akut durch die Flüchtlingsproblematik, kann sich an eine der zahlreichen Familienberatungsstellen wenden, die auf Migranten/-innen Problematik spezialisiert sind.