Strahlende Frau

Midlife Crisis: War’s das schon?

Wenn man auf die Lebensmitte zusteuert, verändert sich so manches: Der Körper, die Fitness und meist sind auch die Kinder außer Haus … Viele Menschen ziehen dann erste Bilanz und fragen sich, was sie bislang versäumt haben und was sie in ihrem Leben noch erreichen möchten. Elke Kroißenbrunner, Diplom Sozialarbeiterin in der Beratungsstelle www.familienfragen.at hat mit zahlreichen Klient/innen zu tun, die in dieser Lebensphase ein Gefühl der Unzufriedenheit entwickeln. „Oft wird festgestellt, dass aufgrund des fortgeschrittenen Alters nicht mehr alles möglich ist – dass viele Dinge nicht mehr realisiert werden können, aus vielerlei Gründen.“ Die Beraterin sieht dies allerdings auch als Chance. Wenn man weiß, dass Mitte 40 eine Lebensphase kommt, in der es einige Veränderungen gibt, könne man bewusster darauf zusteuern. Außerdem könne man am Weg dorthin bereits einen Umgang mit sich selbst pflegen, der einem ermöglicht, jene Dinge aufzuspüren, die Lebensfreude bringen. „Man muss mit sich selbst arbeiten – vorerst einmal wahrnehmen, dass etwas nicht passt. Eine gute Möglichkeit ist, in einem geschützten Rahmen wie einer Beratungsstelle die eigene Unzufriedenheit zu verbalisieren und blinde Flecken aufzuspüren“, weiß Kroißenbrunner. Ein häufiges Thema ist bei Frauen etwa, dass durch die lange Kinderbetreuungszeit und Überlastung durch Job und Familie manche Teile der Persönlichkeit verloren gehen; Hobbys und Interessen werden aufgegeben. Oft fallen Eltern dann bei Auszug der Kinder in eine Leere und müssen erst wieder lernen, in der neu gewonnenen Zeit Erfüllendes zu unternehmen. Kroißenbrunner: „ Hilfreich kann es sein auch in turbulenten, stressigen Lebenszeiten am Ende des Tages positiv Bilanz zu ziehen: Was ist mir gelungen? Was ist gut gegangen? Was hat mir Spaß gemacht?“ Den Blick auf das Positive zu richten sei eine lebenslange Aufgabe, die über schwierigere Zeiten hinweghelfen kann.

Ein häufiges Thema in der sogenannten Midlife Crisis sind auch Außenbeziehungen. „Manche Menschen verspüren in der Lebensmitte den Drang, noch einmal etwas Neues erleben zu wollen.“ Dies kann nun aus der Krise entspringen, kann aber auch damit zusammenhängen, dass die Beziehung sich davor schon verschlechtert hat – bemerkt oder unbemerkt. Das ist sehr individuell zu beurteilen. In solchen Situationen muss man sich anschauen, wie die Paarbeziehung läuft. Wenn beide Partner am Fortbestehen der Beziehung arbeiten wollen, ist es sinnvoll, mit einer/m neutralen Berater/in anzuschauen, ob ein Verzeihen der Außenbeziehung möglich ist und man wieder vertrauensvoll aufeinander zugehen kann. Wichtig ist hier auch die Frage: Was bin ich mir wert und was ist mir die Beziehung wert.

Wenn man mitten in der Krise steckt, über das Älterwerden, die ersten Falten und graue Haare jammert, kann einem auch folgendes Wissen Auftrieb geben: Forschungen und Statistiken besagen, dass ab dem 50. Lebensjahr die Zufriedenheitskurve wieder ansteigt und – natürlich abhängig von der gesamten Lebenssituation – eine glückliche und zufriedene Lebensphase beginnen kann. Wer sich zu dem Thema austauschen möchte, wendet sich am besten an eine der zahlreichen österreichischen Beratungsstellen.