Mann um die 50 mit schwarzer Lederjacke, auf Motorrad sitzend

Midlife Crisis bei Männern

Die Midlife Crisis macht sich auch bei Männern, oder gerade bei Männern oftmals bemerkbar. Woran das liegt, wie sich die Midlife Crisis der Männer von der der Frauen unterscheidet, was sie auszeichnet und wie man sie mildern kann, darüber spricht Mag.a Sonntraut Diwald, Psychologin, Psychotherapeutin und Beraterin, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Evangelischen Diözese A.B. Wien.

Schneller Sportwagen, Weltreise, Yoga Kurs in Indien und vor allem eine viel jüngere Freundin: all das assoziert man mit einem Mann, der mitten in der Midlife Crisis, auch Lebensmittekrise genannt, steckt. Es ist die aufkeimende Sehnsucht nach einem anderen, verliebten, jungen Leben und die Angst etwas zu verpassen, wenn man so weiter macht, wie bisher. Manche mögen das Verhalten der Männer um die 50 auch als “spätpubertär” bezeichnen. Eins steht fest, erstaunlich viele Männer durchleben eine Phase der tiefen Unzufriedenheit mit ihrem Leben. Und das nicht aufgrund von hormonellen Veränderungen, wie bei Frauen. 

Das Ausleben dieser Krise unterscheidet sich von dem der Frauen.  “Männer nehmen sich eher den Spielraum etwas zu verändern”. Frauen überlegen sehr lange, bevor sie das Familienleben und alles zuvor Erreichte “auf den Kopf stellen”. Die innere Unzufriedenheit wird bei Frauen gerne auf die Hormone geschoben, es sind vielmehr tagträumerische Gedanken als wahrhaftig das Ausstiegsszenario. Frauen versuchen das Problem von innen zu lösen, vielleicht mithilfe von

Gesprächen mit Partner oder Freundin, oder, wenn sie in der Partnerschaft nicht glücklich sind,  durch Paar-Therapie. 

Männer dagegen, ändern etwas im Äußeren: Sie legen sich vielleicht einen neuen Wagen oder ein Boot zu, kleiden sich jugendlicher, machen eine Reise oder brechen gar aus den Strukturen aus und schmeißen Job und Familie um etwas ganz anderes zu probieren. Diese radikale Veränderung führt, nach einem kurzen Glücksmoment, oftmals in ein noch tieferes Loch.

Solch eine Situationsentwicklung lässt sich vermeiden, wenn ein Mann über seine Probleme spricht. Erfolgreiche Kommunikation, die Pros und Kontras für einen Ausstieg oder eine tiefgehende Veränderung laut auszusprechen, kann nämlich helfen. Wenn man zum Partner/zur Partnerin auch eine Freundschaftsbeziehung pflegt, ist vieles einfacher, da man sich ihm/ihr jederzeit mitteilen kann. 

Zusätzlich gibt es geförderten Beratungsstellen, die dazu da sind, um zuzuhören und Lösungsansätze näherzubringen. In einem Beratungsgespräch wird der oft von Männern gebrauchte Satz: “So wie es ist, halte ich es nicht mehr aus”, genauer untersucht. Die Lebenssituation wird erforscht und konkrete Ereignisse, die gut und die schlecht waren in Erinnerung gerufen. Auf dieser Basis tastet der/die BeraterIN ab, wo die Interessen des Einzelnen liegen, “wo er sich spürt” und was ihm fehlt. Diese Erkenntnisse lassen sich in vielen Fällen auf den Status Quo projizieren und so die Zufriedenheit steigern.