Grübelnde, ältere Frau, dunkelhaarig

Midlife Crisis bei Frauen

Midlife Crisis ist ein oft gebrauchter Begriff. Doch was bedeutet er? Leidet jede Frau in einem bestimmten Alter unter der Midlife Crisis? Kann man dem vorbeugen? Wie? Diese Fragen versucht Birgit Traxler, MSc., Diplom-Lebensberaterin, eingetr. Mediatorin und Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Evangelischen Diözese A.B. Wien zu beantworten. 

Midlife Crisis umschreibt, wie bereits der Name verrät, die Krise der Lebensmitte. Allmählich wird vielen - oft auch bedingt durch Tod oder Krankheit der Eltern - die eigene Sterblichkeit bewusst und der oft verdrängte Verlust der eigenen Jugend. 

Und dann taucht die Frage auf: War das etwa alles? Viele Frauen blicken zurück und werden das Gefühl nicht los, vieles nicht getan oder für immer versäumt zu haben. Hinterfragen ihr Leben, die fixen Abläufe, bleiben stehen und betrachten sich wie von außen. Und wundern sich über Dinge, die sie jahrelang mit der größten Selbstverständlichkeit ausgeführt haben. Es stellen sich Fragen wie: Wieso habe ich eigentlich keinen anderen Beruf ergriffen? Läuft meine Partnerschaft so, wie ich es mir vorstelle? Wird es jetzt für immer so bleiben? Will ich das?

Auch körperlich stößt "frau" immer öfter an ihre Grenzen und bei vielen macht sich auch der Wechsel bemerkbar durch Schwitzen, Gemüts- und Gewichtsschwankungen und womöglich die ersten Barthaare, da der Körper anfängt relativ gesehen mehr männliche Hormone zu produzieren. Hinzu kommt das Gefühl, nicht mehr dem jugendlichen Schönheitsideal zu entsprechen. Beginnenden Falten wird immer mehr Beachtung geschenkt und die eigene Attraktivität in Frage gestellt. Wenn so viele Dinge auf einmal zusammenkommen, kann es zu einer Krise kommen. 

„Eine Krise ist es dann, wenn die Wellen über mir zusammenschlagen, also wenn diese Veränderungen, die ich erlebe, mich handlungsunfähig machen". Um es nicht dazu kommen zu lassen, ist es wichtig, sich frühzeitig darüber zu informieren, was möglicherweise sein wird. 

Wie in vielen Lebenssituationen, mit denen man sich schwer tut, können auch hier die Beratungsstellen Hilfe anbieten. Wenn es nicht die persönliche Reife der Mutter oder der Großmutter ist, die die Frau für sich nutzen kann, so steht ihr die sachliche Kompetenz der Beraterin zur Verfügung. In der Beratung können wir darauf vorbereitet werden, was sich verändern wird und wie wir damit umgehen können. So gut informiert lassen wir uns später nicht von diesen Veränderungen überrollen, reagieren nicht nur auf die neuen Umstände, sondern agieren gezielt und bewusst.

Wir finden uns einfach in einem neuen Lebensabschnitt wieder oder wir beschließen einen Neustart zu wagen. Auch kleine Veränderungen haben manchmal eine große Wirkung. Wichtig ist es, seinem Gefühl zu folgen und zu machen, was einem guttut.

Wenn die Kinder nicht mehr im Haus sind, fällt es auch einfacher, einen gesunden Egoismus an den Tag zu legen. Aus der neuen Midlife Situation muss also keinewegs eine Krise werden.