Meine Eltern werden älter

Meine Eltern werden älter

Eltern sind meist ein Leben lang für ihre Kinder da – sie stehen mit Rat und Tat zur Seite, helfen bei Geldknappheit über die Runden und sind Respektspersonen.
Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt, an dem sich der Spieß umdreht. Die Kinder wachsen den Eltern über den Kopf.

Wie man nun damit umgehe, beschäftigt vor allem Frauen ab 50. „Im Idealfall spricht man schon lange bevor sich die Eltern nicht mehr um sich selbst kümmern können, über mögliche Zukunftsszenarien“, so Veronika Wolf, psychosoziale Beraterin vom Frauenberatungs- und Bildungszentrum Frauen für Frauen. Tue man das nicht, kann alles irgendwann sehr schnell gehen. Man müsse ganz plötzlich agieren und für die Eltern entscheiden, was das Beste für sie wäre, ohne je mit ihnen darüber gesprochen zu haben. In diesem Fall könne man auf Ablehnung oder ein aggressives Verhalten der Eltern stoßen. Die Gründe dafür seien einfach: Durch eine geminderte Konzentrationsfähigkeit und anderes Zeitempfinden seien ältere Menschen schlicht und einfach überfordert.
Um dem vorzubeugen, sollte man sich frühzeitig langsam an das Thema „Älterwerden“ mit den Eltern herantasten: „Was beschäftigt euch zum Thema Älterwerden?“ oder „Wie sollen wir damit umgehen, wenn ihr euch einmal nicht mehr selbst umsorgen könnt?“
„Es wäre auch sinnvoll schon vor dem Verlust der Geschäftsfähigkeit über eine Patientenverfügung bzw. Vorsorgevollmacht, also wer wofür zuständig sein soll, nachzudenken“, empfiehlt die Expertin. Trotzdem seien solche Gespräche nie angenehm oder einfach, aber dringend nötig.
Wird das Thema verweigert, müsse man das auch akzeptieren. Vor allem der Nachkriegsgeneration falle es noch schwer über heikle Dinge offen zu sprechen. Zusätzlich komme noch die Konfrontation mit dem eigenen „Nicht-mehr-Können“ hinzu. Diese Generation habe sich noch sehr stark über Leistung definiert. Somit führt es zu Frust und Antriebslosigkeit, wenn man nicht mehr kann. „Auf alle Fälle muss man die Autonomie der Eltern akzeptieren! Auch wenn die Eltern nicht mehr allwissend sind oder sich nicht mehr gänzlich um sich selbst kümmern können, bleiben sie dennoch Eltern. Es findet kein Rollentausch statt!“, so die Beraterin.
Erst wenn die Gefahr von Selbst-oder Fremdgefährdung bestehe, muss man als Kind aktiv werden und Verantwortung für seine Eltern übernehmen.

Unabhängig von ihrer Entscheidung, ist es wichtig ein gesundes Verhältnis zu ihren Eltern zu bewahren bzw. aufzubauen, mögliche alte Verletzungen zu reflektieren und für ihre Heilung zu sorgen. Dann ist es möglich Ihnen das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden. Sollten Sie in einer ähnlichen Situation sein, helfen Ihnen die österreichischen Beratungsstellen gerne weiter.