Meine Eltern können nicht loslassen

Meine Eltern können nicht loslassen

„Was machst du?“, „Wo fährst du hin?“, Wann kommst du zurück?“. Diese Sätze kennen Jugendliche zur Genüge. Ewiges Rechtfertigen, nervende Anrufe – dabei wünschen sich Kinder nichts mehr, als von ihren Eltern wie Erwachsene behandelt zu werden.

„Die hier beschriebene Abnabelung ist ein langwieriger Prozess und beginnt schon in der Pubertät“, so Rudolf Roithmair, diplomierter Sozialarbeiter und Familienberatungsmediator in der Jugend-, Familien- und Sexualberatungsstelle BILY.

Kinder erfüllen im Leben der Eltern gewisse Erwartungen und Wünsche. Wenn
sie aber aus dem Nest flüchten, bleibt eine Lücke und Eltern verspüren einen Trennungsschmerz. Viele wissen dann oft nicht mehr, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Schließlich haben sich die vergangenen 18 Jahre nur um die Kinder gedreht. Bei alleinerziehenden Elternteilen könne es auch vorkommen, dass Kinder als Partnerersatz mit den Problemen Erwachsener belastet werden.
Das teure Wohngeld und ökonomische Gründe führen oft dazu, dass Kinder immer länger zuhause wohnen, was den Weg in die Selbstständigkeit erschwert. Durch den Wohnsitz bei den Eltern habe man automatisch einen gemeinsamen Alltag, in dem die Eltern es gewohnt sind, sich um ihre Kinder zu kümmern.
Wenn das Kind also nicht signalisiere, dass es erwachsen ist und auch so behandelt werden will, funktioniert die Abnabelung nicht.

Meist erleichtert ein getrennter Wohnsitz den Aufbau eines selbstständigen Lebens. Man würde auch schnell merken, dass sich die Beziehung zu den Eltern verändert und besser funktioniert. Hierbei gelte die Regel: Je näher man wohnt, desto klarer muss die Beziehung zu den Eltern geklärt werden! Sonst könne es passieren, dass mit 30 Jahren die Mutter immer noch vor der Tür steht und die Wäsche waschen oder die Wohnung neu dekorieren will. "Auch wenn es nicht einfach ist, konfrontieren Sie ihre Eltern mit der Tatsache, dass Sie erwachsen sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen können!“, meint der Berater.

Die österreichischen Beratungsstellen haben immer ein offenes Ohr für Sie und helfen Ihnen dabei.