Ein gut gekleideter Mann steht neben einem Bett, auf dem eine Prostituierte liegt und schläft.

Mein Partner geht zu Prostituierten!

Wenn man vermutet, dass der Partner fremdgeht, denkt man zunächst meistens an eine Liebesbeziehung oder an eine Sexaffäre. Stellt sich dann aber heraus, dass es sich bei „der Anderen“ um eine Prostituierte handelt, bricht oft eine Welt zusammen.

„In den meisten Fällen liegt die Ursache aber woanders“, weiß Mag. René Vodouschek, Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe in der psychosozialen Beratungsstelle Hartberg. „Es ist menschlich und legitim, den Fehler zunächst bei sich zu suchen, grundsätzlich ist er aber in der Partnerschaft zu finden. In einer aufrechten Beziehung ist eine gute Kommunikationskultur die Basis für eine stabile und reife Partnerschaft. Für viele ist es aber gar nicht so einfach, miteinander offen zu sein. Manche Themen sind belastet oder werden tabuisiert. Passiert das beim Thema Sexualität, so entsteht die Gefahr, dass Bedürfnisse nicht befriedigt werden können, weil die Partner nicht darüber sprechen. Dieses Defizit wird mit der Zeit zum Problem, vor allem dann, wenn einer der Partner versucht, es außerhalb der Partnerschaft auszugleichen“, erklärt der Berater.

Wenig oder gar kein Sex sowie individuelle Fetische oder Vorlieben sind Tabuthemen in diesen Partnerschaften. Sie werden nicht ausgesprochen, sexuelle Bedürfnisse bleiben unerfüllt und werden in weiterer Folge außerhalb der Beziehung ausgelebt.

„Der Besuch des Partners bei der Prostituierten muss aber nicht gleich das Ende der Beziehung bedeuten“, so der Experte. „Wird er erstmals zum Thema, so löst er meist einen Schockzustand aus, eine starke Erstreaktion, die wieder nachlässt. Hier ist es wichtig, ruhig zu bleiben und nicht zu diskutieren, selbst, wenn eine Trennung im Raum steht. Wenn dieser Ausnahmezustand vorbei ist, und Zeit und Raum passen, dann erst ist es sinnvoll, gemeinsam zu reflektieren, ob und wie die Beziehung nun weitergeht. Bei Bedarf kann eine Paarberatung hier unterstützen“, weiß Mag. Vodouschek.

Die österreichischen Familienberatungsstellen bieten ihre Hilfe an und vermitteln Therapeuten. In einer Therapie finden die Partner ihren Anteil an der Krise und können diese als neue Chance für die Beziehung erfahren.

„In einer Beziehung, die offen ist für jedes Thema, kann auch dieses Problem gemeinsam gelöst werden. Bedürfnisse können ausgesprochen, gehört und angenommen werden, dadurch entsteht ein authentisches Miteinander und tiefes Vertrauen“, so der Psychologe. „In einer Beziehung, die für die Lösung nicht bereit ist, bietet sich eine Paartherapie an. Je nachdem, wie beide den Besuch bei der Prostituierten sehen, können hier Kompromisse entstehen: Als Teil der männlichen körperlichen Bedürfnisse, entkoppelt von jeder Emotion, 'darf' der Partner diesen Bedürfnissen auswärts nachgeben, dafür wird für die Partnerin z.B. ein Theaterbesuch oder mehr Kuschelzeit vereinbart. Die Partnerin kann aber auch fordern, dass er seine Bedürfnisse nicht mehr außerhalb der Partnerschaft auslebt. Die Bandbreite des Möglichen ist hier sehr individuell“, erklärt Mag. Vodouschek abschließend.