Crossdresser

Mein Mann zieht heimlich Frauenkleider an …

Crossdressing ist die Bezeichnung für alle Menschen, die Kleidung des anderen Geschlechts tragen, sich jedoch ganz oft – aber nicht immer – ihrer Geschlechtsidentität bewusst bleiben. „Man darf Crossdresser nicht mit Transidenten, Homosexuellen oder Drag Queens vergleichen. Es kann natürlich eine Vermischung geben, aber ein Crossdresser trägt Frauenkleider bewusst als Mann oder Männerkleidung bewusst als Frau“, so Mag. Michael Peintner, Erziehungswissenschafter, Sexualpädagoge, Sexualberater und Coach bei Courage Innsbruck. Er habe einige Betroffene als Klienten, dennoch könne er nicht sagen, wie viel Menschen dazu tendieren: „Bei so einem stark tabuisierten Thema gibt es keine Zahlen und die Dunkelziffer ist sehr hoch.“ Peintner erklärt weiter, dass Crossdressing im Grunde eine erotische Spielart sei. Es gibt Männer, die es reizvoll finden, in Dessous oder Frauenkleider zu schlüpfen – weniger bekannt und vermutlich auch verbreitet ist das umgekehrte Muster bei Frauen. 

Von psychischer Störung könne man hier nicht sprechen. Das ist sie nur dann, wenn ein klinisch relevanter Leidensdruck vorhanden ist, es über mehrere Monate zur Qual wird und auch das soziale und berufliche Umfeld stark beeinträchtigt ist. Ein Problem kann aber auch entstehen, wenn etwa eine Partnerin die meist heimliche Leidenschaft ihres Mannes entdeckt. „In einem ersten Schritt ist hier wichtig, die Frau aufzuklären. Sie muss verstehen, dass das ganz oft weder mit ihr als Person, noch mit der gemeinsamen Sexualität etwas zu tun haben muss und dass sie deshalb genauso wichtig für ihren Partner ist“, so Peintner. Für viele Frauen sei es undenkbar, diesen Fetisch in die gemeinsame Sexualität zu integrieren – dennoch ist es nötig, dem Thema in der Partnerschaft seinen Platz zu geben. Auch wenn es für die Männer oft Zeit braucht, um darüber sprechen zu können. Frauen sollten sich auch keinerlei Vorwürfe machen, irgendetwas falsch gemacht zu haben: „Das was wir in der Sexualität lieben, auf was wir (nicht) stehen und wie wir Sexualität gestalten möchten, formiert sich bereits in frühester Kindheit in den sogenannten sexuellen Skripten bzw. den Lovemaps (Liebeslandkarten). Das ist die aktuelle Meinung der Sexualforscher.“

Eine Paartherapie ist in solchen Fällen fast unumgänglich, weiß Peintner. Da man mit dieser Überraschung schwer zurecht kommt. Sehr gerne können auch Frauen alleine eine der zahlreichen österreichischen Beratungsstellen zu diesem Thema aufsuchen, um vor allem individuelle professionelle Unterstützung zu bekommen, wie sie mit dieser neuen Situation umgehen können.