Mein Kind wird extrem - wie kann ich das stoppen?

Mein Kind wird extrem! Wie kann ich das stoppen?

Jugendliche, vor allem während der Pubertät, entwickeln des Öfteren Neigungen, die den Eltern völlig gegen den Strich gehen. „Das ist ein sehr häufiger Beratungsfall“, spricht Dr. Karl Leibetseder aus Erfahrung. Er ist klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe und Vereinsvorstand der Gesellschaft für Persönlichkeits- und Berufsbildung und erklärt im Interview, dass es oft alltägliche Dinge sind, die die Vorstellungen der Erziehungsberechtigten und deren Nachwuchs entzweien. So könne es sein, dass der oder die Jugendliche auf die Idee kommt, kein Fleisch mehr zu essen, einer anderen Religion oder sogar einer Sekte beizutreten. Es können auch sexuelle Gelüste etwa nach einem wesentlich älteren Partner sein, die Eltern in Rage bringen. So gibt es zahlreiche Themen, die den Hausfrieden gehörig stören können und im schlimmsten Fall zu einem Beziehungsabbruch führen. 

„Wir Berater müssen in einem ersten Schritt herausfinden, wo der Kern des Konfliktes eigentlich liegt,“ so Leibetseder. „Und woher dieser Wunsch des Jugendlichen überhaupt kommt – ob es nicht eventuell noch viel tiefere Bedürfnisse gibt, die dahinterstecken. Dies geht natürlich nicht sofort.“ Was laut Leibetseder neben der Klärung dieser Erstfragen im zentralen Interesse der Beratungssituation liegt, ist das sogenannte „Reframing“. „Worum auch immer es sich handelt: Die Eltern sollen dazu hingeführt werden, statt schwarz/weiß wieder Farben zu sehen. Im Schlechten das Gute und trotz der scheinbaren Bedrohung, die da auf sie zukommt, Neugierde für das Thema zu entwickeln.“ Interesse zu zeigen sei notwendig, um den Beziehungsabbruch zu vermeiden – Widerstand treibt auseinander. Die Betroffenen werden eingeladen, genauer zuzuhören und somit das Schreckensszenario womöglich neu zu bewerten.

„Selbstverständlich muss auch den Jugendlichen Respekt den Eltern und Ihrer Sichtweise gegenüber abgerungen werden. Oft sind die Fronten schon so verhärtet, dass niemand mehr reden will.“ Trotz aller Widerstände können in Beratungsgesprächen Wege gefunden werden, wie man sich zumindest annähert. „Dazu brauchen die Berater oftmals gute, kreative Ideen. Im besten Fall schafft man es, den oder die Jugendliche von seiner fixen Idee abzubringen.“

Doch das ist oft nicht das erste Ziel. In vielen Situationen ist es ja auch so, dass Eltern überreagieren und der Wunsch des Jugendlichen sich als wesentlich harmloser herausstellt, als dies vorerst eingeschätzt wurde.

Leibetseder empfiehlt bei solchen Problemen in jedem Fall einen Profi aufzusuchen, da die Situation sehr rasch ins Negative kippen kann und selten eine Seite nachgibt. Bei den österreichischen Familienberatungsstellen sind Sie mit Ihrem Familienproblem herzlich willkommen und zu einem kostenfreien Beratungsgespräch eingeladen.