Mein Kind spricht nicht mit mir

Wenn Kinder nicht mehr mit  den Erziehungsberechtigten sprechen, kann das verschiedene Ursachen haben und hängt auch vom Alter ab. Michael Thaler ist Leiter der Familienberatungsstelle ifs in Dornbirn, klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe. Immer wieder kommen Eltern, um sich zur Verschlossenheit ihrer Kinder beraten zu lassen. Thaler unterscheidet primär Kleinkinder und Jugendliche: „Bei Kleinkindern kann ein anlassbezogenes, trotziges, gekränktes Schweigen vorkommen, das sich aber meist innerhalb kürzester Zeit wieder legt. Sie brauchen und lieben ihre Eltern ja und versöhnen sich schnell.“ Mutter und Vater empfiehlt er, diese Abwehr zu respektieren und keinesfalls mit Ignoranz und eigenem Schweigen zu reagieren. „Da rutscht man dann in ein Kind-Kind-Verhältnis und niemand gewinnt.“ Gegebenenfalls solle man sich bei den Kindern entschuldigen und sein eigenes Fehlverhalten eingestehen.

Etwas schwieriger ist die Situation bei Jugendlichen und Pubertierenden. Der Ablösungsprozess ist völlig normal und das Gegenteil ist eher die Ausnahme. Dazu der Experte: „Die Kommunikation mit den Eltern verändert sich – sie vertrauen sich nicht mehr so sehr an und entwickeln eigene Strategien. Sie tauschen sich ab diesem Alter mehr mit Gleichaltrigen und anderen vertrauten Personen aus.“ Dennoch sei es wichtig, als Eltern immer wieder Gesprächsangebote zu machen und zu signalisieren, dass man sich für ihre Themen interessiert. „Überfahren Sie Ihre Kinder nicht mit Lösungsabsichten für Probleme. Respektieren und involvieren Sie sie“, empfiehlt Thaler.

Wenn es zu starker Isolation kommen sollte, bewähre sich häufig ein Familienrat. Hier werden neben den Eltern Omas, Tanten, Nachbarn und weitere nahe Personen einbezogen um gemeinsam einen Weg zu finden, mit demder Jugendlichen in Kontakt zu kommen. „Meistens entsteht so ein Rückzugsverhalten aus jahrelangen Kränkungen und dem Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Daraus kann auch mangelndes Selbstwertgefühl resultieren, das dann dazu führen kann, dass radikale Schritte gesetzt werden wie etwa der Anschluss an zwielichtige Gruppen und Ähnliches“, so Thaler.

Um dem vorzubeugen sei es wichtig, Kindern immer das Gefühl zu geben, dass ihre Anliegen respektiert werden, dass sie wichtig sind und dass man sich für sie interessiert. Die Tipps des Profis: „Beziehen Sie schon früh den Freundeskreis der Kinder mit ein. Geben Sie das Gefühl, dass sie in den Räumlichkeiten der Familie gut aufgehoben sind und dass es nicht nur Sanktionen gibt, wenn mal etwa ein Gläschen Bier getrunken wird.“ Weiters sei es entscheidend, den Kindern und Jugendlichen immer wieder anzubieten, Themen mit ihnen zu besprechen: „Das kann gerne auch in die andere Richtung gehen! Lassen Sie sich mal von Ihren Kindern zu einem Thema beraten. Das stärkt sie und gibt ihnen das Gefühl, ernst genommen zu werden.“ Grundsätzlich sei es am wichtigsten, sich für einander Zeit zu nehmen und auch gemeinsame Aktivitäten zu planen.

Falls Sie sich zu diesem Thema beraten lassen möchten, denken Sie daran, dass Sie in einer der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen gerne kostenfrei einen Gesprächstermin vereinbaren können.