Bub schlägt zu
Bub schlägt zu

Mein Kind schlägt zu!

Sollten Kinder und Jugendliche dazu tendieren, Gewalt anzuwenden, kann das für deren Erziehungsberechtigte eine große Herausforderung sein. Zu Flo Münderlein, Pädagoge und Berater bei Männerwelten Salzburg kommen oft schon 7- bis 8-Jährige, die von Pädagog/innen oder Eltern in die Beratung geschickt werden: „Gewalt ist ein großes Wort das Vieles umfasst. Androhungen und Stalking gehören auch dazu. Wenn es um physische Gewalt geht, sind auch junge Kinder oft schon sowohl Täter/innen als auch Opfer.“ Laut Münderlein sind es meist Burschen, die zu körperlich übergriffigen Handlungen tendieren. Dies sei meist ein erlerntes Verhalten, das sie in ihrem sozialen Umfeld abgeschaut haben. "Manche Kinder machen die Erfahrung, dass sie durch Gewaltanwendung erreichen, was sie wollen. Wenn Gewalt als zielführende Lösung erlebt wird, wird sie oft zu einer beliebten Form der Problemlösung. Die Kinder suchen damit ein Ventil für ihre Gefühle…“, weiß der Berater. Oftmals habe das damit zu tun, dass die Eltern keinen Umgang damit vorleben, selbst ihre Emotionen versteckt halten und sie den Kindern gegenüber nicht thematisieren. Kinder würden aber viel spüren und oft merken, wenn es Mutter und Vater nicht gut geht, was zu Hilflosigkeit führt. „So wird die emotionale Kompetenz sukzessive abtrainiert“, weiß Münderlein. Burschen wären außerdem noch der sogenannten gesellschaftlichen Anforderung an Männer ausgesetzt. Sie haben stark und allmächtig zu sein, um etwas zu erreichen. Role-Models in Filmen, Online-Games und Büchern neigen häufig zu Gewalt – sie ist überall präsent. Münderlein: „Man ist ja cool, wenn man sich traut, zuzuschlagen. So hat ein Mann zu sein! Das ist in den Köpfen der Burschen.“

Wichtig sei für Bezugspersonen, schon im Kindergartenalter damit zu beginnen, Gefühle zu benennen und Modelle vorzuzeigen, wie man damit umgehen kann. Sie sollten offenlegen, wie es ihnen geht und den Kindern dann vermitteln, dass man sich etwa zurückziehen kann, drüber sprechen kann oder Ähnliches, um unangenehme Emotionen abzubauen.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Stärkung des Selbstwertes der Jugendlichen. „Vermitteln Sie vor allem Burschen, dass es wesentlich cooler ist, sich aus körperlichen Auseinandersetzungen herauszuhalten und dass sie auf diese Weise Stärke zeigen können“, rät Münderlein. Ganz grundsätzlich sei es enorm wichtig, den Kindern zu zeigen und zu sagen, dass sie so Vieles können und in der Lage sind, mit ihren Themen besser umzugehen, als sich für Gewalt zu entscheiden.

Sollten Sie dazu Beratung suchen, so können Sie sich kostenfrei an eine Beratungsstelle in Österreich wenden. Mit unserer Suchfunktion finden Sie auch solche, die auf das Thema Gewalt spezialisiert sind.