Kind sitzt

Mein Kind möchte nicht zum getrennt lebenden Elternteil

Wenn Eltern sich trennen, werden meist Besuchsvereinbarungen getroffen – doch nicht immer ist das im Sinne der Kinder. Aus oft unausgesprochenen Gründen bevorzugen sie den Aufenthalt bei einem der beiden Elternteile. „Grundsätzlich muss man unterscheiden, ob es sich dabei um Kinder handelt, die durch körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt traumatisiert sind oder solche, die nichts dergleichen erlebt haben“, weiß Christine Bodendorfer, Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin und Mitgründerin der Mädchenberatung in Wien. Bei ersteren würde das Kontaktrecht je nach Schwere des Falles ohnehin in Frage gestellt werden müssen.

Bei allen anderen Fällen sollte man die Unlust am Besuch auf jeden Fall ernst nehmen: „Es gilt hier, Verantwortung zu übernehmen und zu versuchen, die Gründe in Erfahrung zu bringen.“ Auf gar keinen Fall solle Zwang ausgeübt werden und gegen den Willen des Kindes gehandelt werden. Je nach Alter und Lebenssituation wäre es hilfreich, alle Parteien – also Mutter und Vater und das Kind oder die Kinder – miteinzubeziehen, um herauszufinden, woran es liegen kann.

„Für den betroffenen Elternteil ist das meist auch eine Kränkung. Da die Kids dies wissen, sagen sie häufig nicht, woran es liegt. Aber es muss ja gar nichts Persönliches sein“, so Bodendorfer.

Häufig sei es bei Jugendlichen auch eine zu große Verpflichtung, immer wieder Vater oder Mutter besuchen zu müssen. „In diesem Alter zieht es die Kinder ja eher weg von den Eltern und sie wollen langsam ihre eigenen Wege gehen“, meint die Expertin.

Falls es nur eine temporäre Geschichte der Kinder sein sollte oder es eben pubertäre Gründe hat, empfiehlt Bodendorfer, auf die Regeln hinzuweisen und zu erklären, das dies nun mal so ausgemacht ist. Am besten könnten sich Kinder an den Wechsel zwischen den beiden Elternteilen gewöhnen, wenn dieser regelmäßig erfolgt und nicht nur jedes zweite Wochenende.

Falls Sie dieses Thema beschäftigt und Sie Rat von Expertinnen und Experten suchen, wenden Sie sich an eine der österreichischen Familienberatungsstellen. Der Termin ist kostenfrei.