Jugendlicher am Bett

Mein Kind macht die Nacht zum Tag

Meist beginnt es in der Vorpubertät: Die Töchter und Söhne wollen sich ganz und gar nicht mehr an vorgegebene Bettgeh-Zeiten halten und bleiben immer länger auf. Irgendwann bleiben sie länger als die Eltern auf. „Die Zeit des Sandmännchens und gemeinsamen Abendrituals ist zu Ende und unser Nachwuchs will selbst entscheiden, wann die richtige Zeit zum Schlafengehen ist,“ weiß auch Maria Mayrhofer, Erziehungsberaterin bei der Familienberatungsstelle der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie. Dieser Prozess beginnt typischerweise in der Pubertät, in der sich die Kinder ganz natürlich von den Eltern wegentwickeln und ihre eignen Strukturen finden wollen.

Dafür sei auch der Kontakt mit Gleichaltrigen essentiell. Zu außergewöhnlichen Zeiten wie etwa der Corona-Krise sei es besonders schwierig, diesen Kontakt zu halten. So würden Gespräche dann in Chats verlegt werden, die häufig bis spät in die Nacht reichen.

„Versuchen Sie, großzügig zu sein und sich in die Lage Ihres Nachwuchses hineinzuversetzen“, so Mayrhofer.

Problematisch wird diese Situation dann, wenn schulische Leistungen darunter zu leiden beginnen oder auch, wenn für die Eltern keine Paarzeit mehr möglich ist, weil die Kinder sich nicht in ihren Zimmern, sondern in den gemeinsamen Wohnräumen aufhalten.

„Hier gilt es mit den Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Zwar einerseits loszulassen und ihnen viele Freiräume zu geben, aber auch die eigenen Bedürfnisse klar mitzuteilen und nicht zu vernachlässigen“, so die Beraterin.

Insbesondere müsse man bei dem Thema Schlafrhythmus des Kindes unterscheiden, ob die Dinge, die man von den Jugendlichen verlangt, eigene Sorgen betreffen oder tatsächlich Sorgen um das Wohl der Kinder sind. „Oft möchte man selbst etwas abgehakt haben, wie etwa die Hausübung der Kinder – die Kinder haben aber ihren eigenen Rhythmus.“ Dies sei oft ein langer Prozess, der viel Geduld – auch mit sich selbst – und Einfühlungsvermögen braucht.

Wenn Sie mit einem Profi über dieses Thema sprechen wollen, wenden Sie sich an eine österreichische Familienberatungsstelle. Sie können einen kostenfreien Termin vereinbaren.