Mein Kind hat Probleme in der Schule

Nicht wenige Eltern mit schulpflichtigen Kindern nicken, wenn sie dieses Thema hören. Irene Haller, Hort- und Kindergartenleiterin, Erziehungsberaterin und Lebens- und Sozialberaterin in Ausbildung arbeitet bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Evangelischen Diözese A.B. Wien. Viele ihrer Klientinnen fragen nach Hilfe bei unangenehmen Situationen, die im Schulumfeld auftauchen. „Für mich stellt sich zuerst einmal die Frage, ob es tatsächlich ein Problem gibt und was die Ursache dafür ist. Ist es nur ein Lehrer beispielsweise? Ist es die Gemeinschaft in der Klasse? Ist es ein psychisches Thema oder Lernschwäche? Dies gilt es in einem ersten Schritt herauszufinden.“ Oft sei dies aber gar nicht so einfach. Kinder würden mit großen Erwartungen in die Schule eintreten oder Schule wechseln und sind dann oftmals von der Realität enttäuscht. „Aufregung und Spannung verpuffen und die unangenehme Pflicht tritt in den Vordergrund. Das Kind muss sich plötzlich einem System unterwerfen und manche tendieren dazu, sich aufzulehnen“, so die Beraterin. Dies könne auf unterschiedliche Arten passieren. Die Reaktionen würden von Unkonzentriertheit bis hin zu Faulheit oder Lernwiderständen reichen. 

Seitens der Eltern wird nur allzu oft mit Enttäuschung reagiert und davor hat das Kind Angst – denn auch die Erwartungen der Eltern sind hochgesteckt und dies wird dem Kind auch kommuniziert. „Die Kinder werden plötzlich auf ein Thema reduziert: Ihr Funktionieren in der Schule. Dies muss man sich bewusst machen und gezielt dagegen ansteuern“, empfiehlt Haller. „Liebevolles Interesse zeigen statt Kontrolle und Druck aufzubauen. Bei schulischen Misserfolgen können Sätze wie: ,Schule ist das eine – aber wir haben dich immer lieb.´ Kinder aufbauen und ihnen helfen.“ 

Warum Eltern oft so energisch beim Thema Schule handeln, lässt sich laut Haller leicht erklären: Sie stünden selbst unter Druck, fühlen sich in ihrer Erziehungskompetenz angegriffen, wenn das Kind schlechte Noten bringt, und wollen auf ihr Kind stolz sein können. Was viele auch von der schulischen Leistung abhängig machen. Dazu die Beraterin: „Da hilft es sich bewusst zu machen, warum dies eigentlich so wichtig sein soll – und ob es nicht andere Qualitäten des Kindes gibt, auf die man mehr achten sollte und auf die man stolz sein kann.“

Es gibt darüber hinaus auch Themen, die tatsächlich mit Experten besprochen werden sollten. Wenn das Kind etwa an langanhaltender Konzentrationsschwäche leidet, so können Ursachen dahinter stecken, die man möglicherweise beseitigen kann.  Professionelle Hilfe ist auch bei übermäßiger Prüfungsangst anzuraten, da dies beispielsweise mit mangelndem Selbstwert zusammenhängen könnte. Auch daran kann gearbeitet werden.

Wichtig sei immer, das Kind zu unterstützen und in einem Erstgespräch mit einem Experten in einer der österreichischen Familienberatungsstellen bei Bedarf Hilfe zu suchen.