Kleinkind in Unterleibchen und -hose steht trotzig weinend und schreiend mit rotem Kopf da.

Mein Kind, das Rumpelstilzchen

Kinder sind oft wie Rumpelstilzchen: Sie brüllen, heulen, stampfen und hauen – all das mit zornesroten Gesichtern. Eltern fühlen sich oft machtlos und suchen eine Erklärung.

Christine Kügerl ist Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin in der Lebensberatungsstelle der Caritas Kärnten in Villach und weiß: „Kleine Kinder wollen ungehindert die Welt entdecken. Das ist nicht immer ungefährlich, und Eltern müssen auch mal ‚Nein’ sagen. Für die Kleinsten ist dies eine neue Beziehungserfahrung: Mama und Papa durchkreuzen ihre Pläne! Hinzu kommt Frust. Mit dieser hochkomplizierten Gefühlssituation umzugehen kann schon mal überfordern.“

Kleine Kinder können ihre Gefühle noch nicht gut regulieren und drücken sie mit Körpersprache aus. Wenn Wut oder Verzweiflung sehr groß sind, schlagen sie deshalb einfach um sich. Den Eltern rät die Expertin ruhig, klar und verständnisvoll auf die heftigen Gefühle einzugehen:

  1. Das Schlagen unterbrechen und deutlich sagen: „Nein, das will ich nicht.“ oder „Ich mag nicht, dass du haust. Das tut weh.“
  2. Das starke Gefühl beim Namen nennen: „Ich merke, du bist sehr zornig!“ oder „Ich sehe, dass du dich ärgerst.“

Wenn Kinder spüren, dass Mama und Papa wissen, wie es ihnen geht, halten sie Wut und Verzweiflung leichter aus. „Manche brauchen dafür Zeit, anderen hilft Ablenkung und einige müssen einfach wirbeln dürfen“, erklärt Christine Kügerl.

Kinder beginnen im Trotzalter ihren Gefühlsausdruck zu kontrollieren. Aufgabe der Eltern ist es, sie dabei zu unterstützen. Sie müssen erst lernen, Gefühle auszudrücken, ohne dabei anderen weh zu tun: „Wichtig: Bei gewalttätigem Verhalten klar sagen, dass dieses nicht in Ordnung ist und Alternativen zeigen“, empfiehlt die Beraterin.

Nach dem dritten Geburtstag verstehen die Kleinen langsam Regeln wie „Wir hauen nicht“ und Konsequenzen wie „Wenn du haust, gehst du kurz in dein Zimmer.“ Sie können ihren Gefühlsausdruck im Kindergarten besser regulieren, zu Hause kommt es oft zu ‚Einbrüchen’: „Kinder ‚üben’ Gefühle eher an Eltern und Geschwistern. Hinter aggressivem Verhalten im Kindergarten- und Schulalter kann das Bedürfnis nach Beachtung stehen: „Jedes Kind möchte spüren, dass man es mag – es braucht Anerkennung von Gleichaltrigen: Wenn es keinen Anschluss findet, entsteht Wut. Manche zeigen dies direkt in der Situation. Andere ziehen sich zurück und zeigen die Gefühle zu Hause“, weiß Christine Kügerl aus ihrer Praxiserfahrung.

Die Ursache von häufigen negativen Gefühlsausbrüchen können auch Belastungen in der Familie sein. Kinder nehmen mehr Stress wahr und haben noch kein Repertoire um „abzuschalten“. Das führt zu Aggressivität. In einer Familienberatungsstelle können Eltern die Situation mit Experten klären, die Ursachen des aggressiven Verhaltens erkennen und hilfreiche Handlungsweisen erarbeiten.