Junge Mutter im Business-Outfit entdeckt Spielzeug- und Gewand-Chaos auf der Couch und am Boden und hebt wütend die Hände neben den Kopf.

Mein Kind bringt mich zur Weißglut!

Wer Kinder hat weiß: Sie können anstrengend sein, vor allem während der Trotzphasen und in der Pubertät...

Dipl. Pädagogin Hedwig Hartmann arbeitet in der Frauenberatungsstelle BABSI in Freistadt: „Kinder können ihre Eltern schon mal zur Weißglut bringen, das ist völlig normal. Kindererziehung ist mitunter sehr anstrengend. Es ist wichtig, Wut als erlaubte menschliche Emotion zu erkennen und anzunehmen.“

Die gute Nachricht: Eltern „dürfen“ wütend sein und schlechtes Gewissen ist unnötig. „Das Gefühl entsteht durch Ungerechtigkeit, Unsicherheit oder Unzufriedenheit seitens der Erziehungsberechtigten“, erklärt die Beraterin weiter. „Wut ist eine negative Emotion, kann aber schöpferische Kraft haben. Wichtig ist, was man daraus macht.“

In der Situation selbst rät Hedwig Hartmann, die Verantwortung vorübergehend abzugeben und etwa den anderen Elternteil um Hilfe zu bitten. „Es reicht eine halbe Stunde, um sich zu beruhigen und Kraft zu sammeln. Loslassen ist dabei wesentlich – ganz nach dem Motto: So geht es nicht weiter, ich ziehe mich zurück, ich gehe hinaus.“

Rund um die Uhr nur für den Nachwuchs da zu sein, sei ohnehin keine gute Idee, erklärt die Beraterin. „Man muss auch auf sich selbst schauen. Wenn man zufrieden ist, kann man mit den Kindern viel besser umgehen. Was man für sich tun kann, ist sehr individuell. Wichtig ist aber, dass es abseits der Kindererziehung etwas gibt. Das kann Malen sein, Tanzen oder Joggen. Jeder wird etwas finden.“

Bewegung hilft ebenfalls, Wut abzubauen. Zur Entspannung bieten sich Techniken wie die Muskelrelaxation nach Jacobson an. Hier hat Hedwig Hartmann sehr positive Erfahrungen gemacht: „Die bewusste An- und Entspannung einzelner Muskelgruppen führt zu verbesserter Köperwahrnehmung und man kann überall trainieren. Yoga-Training ist zwar aufwändiger, aber ebenso hilfreich.“

Wenn die Situation trotzdem eskaliert, sei es zunächst wichtig, sich selbst zu beruhigen. So könne man sein Kind besser annehmen, etwa wenn es brüllt, weil es etwas nicht bekommt. Hier rät Hedwig Hartmann die Situation in Ruhe zu besprechen. „Dabei ist es wichtig, auch das Kind reden zu lassen, aber klar zu sagen ‚so geht es nicht’. Diese Grenzen sind wichtig und werden mit ihrem Verhalten von Kindern eingefordert.“

Man könne mit Kindern bereits sehr früh über Streit sprechen, etwa ab 3 Jahren. In der Situation bleiben und Wiedergutmachung anbieten seien dabei ebenso wichtig, wie über die Wut und das Fehlverhalten zu sprechen. Das Kind lerne so, auch seine eigenen Gefühle zu verstehen.

Wenn man Hilfe von außen benötigt, ist dies in den österreichischen Familienberatungsstellen auch sehr kurzfristig möglich. Ein Anruf, und es wird sofort Unterstützung gegeben. Experten geben eine Anleitung für den Akutfall und arbeiten auch mit dem Kind, um falsches Erziehungsverhalten aufzudecken. In der Beratung erfahren Eltern, wie sie Aggressionen abbauen und die eigene Zufriedenheit steigern können. Zum Austausch gibt es Treffs für junge Mütter mit Kindern sowie umfangreiche Ratgeberliteratur zum Thema.