Vater mit Tochter am Arm

Mein Kind bevorzugt den anderen Elternteil

Wenn man als Elternteil merkt, dass das Kind den anderen Elternteil bevorzugt, sich an sie oder ihn eher wendet, wenn es um Probleme geht oder auch einfach nur zu spüren ist, dass es sich dort geborgener oder wohler fühlt, kann das für den anderen Elternteil sehr kränkend sein – sogar als Zurückweisung empfunden werden. Doch: Ein Kind macht das nie absichtlich und will damit auch niemanden verletzen!

Ulrike Schachner ist Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin und organisatorische Verantwortliche der Zweigstelle Stainach des IFP – Institutes für Familienberatung und Psychotherapie Graz-Seckau. Sie kennt die Thematik von ihren Beratungen sehr gut und erklärt: „Von der Entwicklungspsychologie her weiß man, dass die Anziehungskraft zwischen gegengeschlechtlichen Eltern und Kindern tendenziell stärker ist. In der Pubertät gibt es dann eine völlig natürliche Differenzierung und die/der Jugendliche entwickelt eine Vorliebe.“

Ein anderer Grund für eine spezifische Zuwendung sei, dass Kinder sich meist auf die Seite des Schwächeren stellen. „Ein Kind spürt, wenn Mutter oder Vater unterdrückt werden, also der/die Hilfsbedürftigere ist. Es positioniert sich dann und versucht, dies aus Loyalitätsgründen unbewusst zu kompensieren.“

Sehr reflektierte Eltern setzen sich in so einem Fall zusammen und versuchen, dies zu hinterfragen und kommunikativ zu lösen. Hier kann professionelle Hilfe, etwa von einer Familienberatungsstelle, zur Begleitung sehr wirksam sein. „Eltern sollten nicht als Konkurrenten auftreten, sondern spürbar an einem Strang ziehen.“, so Schachner.

Besonders bei einer Trennung kann das Thema schlagend werden, da sich Kinder dann oft für einen Hauptwohnsitz entscheiden müssen. Hier gilt es laut der Beraterin besonders sensibel vorzugehen, den Wunsch des Kindes ernst zu nehmen und vor allem Beeinflussungen zu unterlassen, selbst wenn man sich in der Opferrolle gefangen fühlt. „Denn Kinder gehören einem nicht – sie sind kein Besitz! Im schlimmsten Fall können sich Kinder von einem Elternteil sogar entfremden. Sie wissen nicht mehr, zu wem sie halten sollen, was jedoch gravierende Folgen in der weiteren Entwicklung des Kindes nach sich ziehen kann”, so Ulrike Schachner.

Wenn Sie dieses Thema betrifft und Sie sich professionell austauschen wollen, wenden Sie sich an eine der österreichischen Familienberatungsstellen und vereinbaren Sie einen kostenfreien Termin.