Mein (Adoptiv-) Kind hat Kontakt zu seinen leiblichen Eltern und es ist schwierig

In Österreich gibt es drei Formen der Adoption: Inkognitoadoption, offene Adoption und die halb offene Adoption. Nach Vollendung des 14. Lebensjahres hat das Adoptivkind grundsätzlich die Möglichkeit, bei Gericht bzw. beim Kinder- und Jugendhilfeträger, der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft, dem Magistrat oder in Wien beim Amt für Jugend und Familie Einsicht in seine Akten zu nehmen. Grundsätzlich sind bei Adoptivkindern keine persönlichen Kontakte zur leiblichen Familie vorgesehen.

Anders verhält es sich für Pflegekinder, denn in diesem Fall ist das Zusammentreffen mit den Eltern gewünscht und gesetzlich geregelt. Das Kontaktrecht soll die Beziehung zu den Angehörigen erhalten um eine mögliche Rückführung zur Ursprungsfamilie zu erleichtern. Immer wieder sind langwierige Gerichtsverfahren anhängig, bei dem der Verbleib des Kindes noch nicht abgeklärt ist. In diesem Fall dürfen die leiblichen Eltern ihr Kind teilweise auch intensiv besuchen. Für die positive Entwicklung eines Pflegekindes ist die Regelmäßigkeit und Stabilität der Besuchskontakte sehr wichtig. Sie brauchen entweder fixe Zeiten und Personen oder gar keinen Kontakt. Die Auswirkungen unregelmäßiger Treffen zu leiblichen Elternteilen können Selbstwertverlust, Verunsicherung und Identiätsprobleme sein.

Paradoxerweise kann aber auch ein zu häufiger Besuchskontakt dem Kind in seinen Entwicklungsphasen schaden. „Das Kind hat dann kaum die Möglichkeit, in der Pflegefamilie anzukommen und neue Verbindungen aufzubauen“, erklärt Gabriele Wied, Msc., diplomierte Ehe-, Familien- und Lebenshelferin vom Verein Peter Pan.

Ob für adoptierte oder in Pflegefamilien lebende Kinder – der Kontakt kann in beiden Fällen mit Schwierigkeiten verbunden sein. „Am meisten unterstützen Eltern ihr Kind, indem sie alle Emotionen wie Trauer, Wut oder Enttäuschung zulassen. Versuchen Adoptiv- bzw. Pflegeltern das Kind sofort zu trösten und lassen keinen Raum für die inneren Konflikte des Kindes, kann ihm ein Stück Geschichte verloren gehen“, so die Expertin. Wenn ein Kind sich verstanden und angenommen fühlt, dann fällt ihm auch der Umgang mit seinen verwirrenden Gefühlen leichter. Gerade in solch sensiblen Situationen ist der Rückhalt in der Familie sehr wichtig. „Aufgrund der besonderen Situation von Pflegekindern und speziell in heiklen Fällen hat sich die Besuchsbegleitung als sehr hilfreich herausgestellt.“ Professionell geschulte Berater fungieren als Begleitung und können diffizile Treffen entschärfen.

„Auch soziale Diskrepanzen sind für Kinder selten schwierig eher für die beteiligten Erwachsenen, der augenscheinliche offene Unterschied zwischen den Familien erklärt die Realität des Kindes – hier bist du begründet gut aufgehoben. Wenn das soziale Umfeld zu ähnlich ist, versteht das Kind nicht, warum es bei Pflegeeltern sein muss“, weiß die Expertin.

Wied: „Wichtig ist, immer die förderliche Entwicklung – das Wohl des Kindes im Auge zu behalten. Wo Kinder besser aufgehoben sind oder wie oft sie ihre leiblichen Eltern sehen können sind Entscheidungen, die Erwachsene aus diesem Blickwinkel treffen müssen. Kinder wollen meistens bei ihren leiblichen Eltern bleiben und können dafür einen sehr hohen Leidensdruck in Kauf nehmen.“

Hilfesuchenden stehen zahlreiche Beratungsstellen offen, wo ihnen geschulte Fachkräfte mit Rat und Tat zur Seite stehen.