Mutter und Tochter streiten

Mama lass mich endlich los!

Wenn Eltern ihre bereits erwachsenen Kinder immer noch behüten und beschützen wollen, kann das schnell zu viel werden. Die Wurzel liegt in den sogenannten Helikoptereltern, die ihrem Nachwuchs kaum Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung geben, weil sie denken, alles kontrollieren zu müssen.

„Grundsätzlich ist dies ein Mütter-Phänomen“, weiß Dr. Karl Leibetseder, klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe und Vereinsvorstand der Gesellschaft für Persönlichkeits- und Berufsbildung. „Es sind vor allem Frauen, die auch durch das Hormon Oxytocin, das sie in Alarmbereitschaft versetzt, wenn das Baby schreit, später schwerer ihre Grenzen wahren können.“ Oft würden sich Mütter in einem Dilemma befinden, da sie diese machtschaffende Besserwisserei, die sie ins Leben der Kinder trügen, schwer aufgeben können. Aber auch einen anderen Grund gäbe es für übertriebene Fürsorge: „Oft wünschen sich die Eltern, dass die Kinder etwas leben, das sie selbst gerne gelebt hätten, aber nicht geschafft oder realisiert haben – aus welchen Gründen auch immer.“ Wenn tatsächlich Dinge passieren, die besorgniserregend sind, kommt die emotionale Seite zum Vorschein, die dann ebenfalls zu Handlungen seitens der Eltern führen, die von den erwachsenen Kindern nicht als hilfreich wahrgenommen werden.

Leibetseder rät: „Man muss es aushalten lernen, dass man irgendwann nicht mehr so eine wichtige Rolle im Leben des Sohnes oder der Tochter spielt. Irgendwann ist der proaktive Rat einfach nicht mehr gefragt.“ In der Beratung muss dann oftmals so unterstützt werden, dass die Eltern lernen, ihre eigenen Bedürfnisse und Hobbys neu zu entdecken und zu leben. „Man muss damit anfangen, dass räumlicher Abstand hergestellt wird. Wenn Erwachsene noch bei den Eltern leben, geht das in den seltensten Fällen gut und kann sogar zum Umkehreffekt führen: nämlich dass die Mutter das Kind endlich loswerden will …“

Den betroffenen Erwachsenen rät der Profi, dass sie überfürsorglichen Eltern Aufgaben vorschlagen, die sie übernehmen können und ihnen bestimmt und klar sagen, was ihnen zu viel ist – ihnen ihren Raum zu geben, aber eben nicht zu viel. „Das ähnelt der Aufgabe eines guten Chefs. Der muss auch in die richtige Richtung lenken, mit Gespür für den Mitarbeiter.“ Wenn es nicht sofort funktioniert, müsse man deutlich und bestimmt bleiben.

Wer mit seinen Eltern diesbezüglich Probleme hat, oder wer sich nur schwer aus der Verantwortung nehmen kann, ist in einer der österreichischen Familienberatungsstellen zu einem Erstgespräch gerne gesehen und kann Hilfe oder auch Abhilfe erwarten.