Liebe zwischen den Kulturen

Liebe zwischen den Kulturen

Eine große Herausforderung in jeder Paarbeziehung sind die oft unterschiedlichen Erwartungen, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Dies kann erschwert werden, wenn einer der Partner aus einem anderen Kulturkreis kommt. 

Neda Azizian, Beraterin beim Verein Viele: „Da können Unterschiede schon bei von außen betrachteten Kleinigkeiten zu großen Konflikten führen: Wie zum Beispiel Vorhänge zuziehen oder nicht. In orientalischen Ländern werden Vorhänge oftmals zugezogen, um neugierigen Blicken der Nachbarn zu entgehen, in Europa erst zur Schlafenszeit. Oder: Große wuchtige Möbel sind im Orient ein Statussymbol, im Westen unterliegen sie oft der Mode und werden ab und an auch ausgetauscht.“

Auch das Werteverständnis divergiert oft. Ist in muslimischen Ländern der Zusammenhalt innerhalb der Familie sehr hoch, kann es in christlichen Ländern vorkommen, dass man nicht einmal die Geschwister seiner Eltern kennt. „Weiters ist für viele muslimische Frauen wichtig, dass der Mann das Familieneinkommen bestreitet, selbst wenn auch seine Frau arbeitet“, so die Expertin. In einigen Kulturen ist heiraten wesentlich, um als Familie zu gelten. Der oftmalige Partnerwechsel, wie es hierzulande üblich geworden ist, ist in manchen außereuropäischen Ländern vollkommen Tabu, weiß Azizian. 

Doch nicht nur die Paare selbst haben es oft schwerer, auch das Umfeld kann mitunter negativ reagieren. Einzelne halten ihre Beziehung aus diesem Grund anfangs geheim. 

Ist die Bindung an die Familie sehr stark, so wird sogar in manchen Fällen auf die interkulturelle Liebe verzichtet. „Manche Eltern wiederum tolerieren solche Beziehungen und sehen positive Aspekte. Wie etwa die bessere Möglichkeiten zur Integration, Verbesserung der Sprachkenntnisse oder einfach das Glück ihrer Kinder“, so die Beraterin weiter. Etlichen Eltern ist von vornherein bewusst, dass sich ein neues Leben in Europa auch auf die Partnerwahl ihrer Kinder auswirken kann. 

„Eine hohe Konfliktfähigkeit ist gefragt. Toleranz und die Bereitschaft, bisher Alltägliches und Selbstverständliches in Frage zu stellen, sich mit anderen Verhaltensweisen und Traditionen auseinander setzen zu wollen“, sagt die Beraterin. 

In beiden Fällen aber – ob das Paar nun gleicher oder unterschiedlicher kultureller Herkunft ist – lassen sich Konflikte nur mit viel Verständnis, Offenheit und stetiger Kommunikation lösen.

Wer dabei Hilfe und Unterstützung braucht, findet diese kostenfrei in allen Beratungsstellen Österreichs.