Mann und Frau wandern
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LAT: Zusammen sein – getrennt leben

Immer häufiger liest und hört man von den sogenannten LATs. Living apart together (LAT) beschreibt eine Beziehungsform, in der man als Paar in getrennten Wohnungen oder Häusern lebt. Die Statistik besagt, dass besonders im urbanen Raum immer mehr Paare – etwa ab dem 40. Lebensjahr – getrennte Lebensräume bevorzugen. Die Zahl der LATs steigt drastisch.

Iris Marchart ist Beraterin bei Rat und Hilfe Tulln der Caritas St. Pölten. Sie sieht die positive Entwicklung darin, dass es immer mehr Möglichkeiten eines gesellschaftlich anerkannten Zusammenlebens gibt: „Man hat heutzutage die freie Wahl, kann sich für das entscheiden, was einem oder einer gut tut und muss nicht eine bestimmte Beziehungsform leben, die sozial erwünscht ist.“ Menschen, die schon eine lange Beziehungshistorie hinter sich haben, würden vorerst Freiraum benötigen und können ihn so auch in einer Beziehung ein stückweit bewahren.

Auch anstatt einer häufig komplexen Patchwork-Zusammenführung mag es für manche eine gute Lösung sein, den eigenen Wohnraum zu erhalten. Dennoch sei die Entwicklung nicht ganz unproblematisch. Paare würden sich leichter trennen, weil es einfacher ist und Besitztümer nicht auseinanderdividiert werden müssen. Die durchschnittliche Beziehungslänge beträgt rund sieben Jahre. Marchart: „Schade ist, dass das gemeinsame Überwinden einer möglichen Krise, das sehr stärkend für ein Paar wirken kann, oftmals ausbleibt.“

Egal, welche Form der Paarbeziehung man lebt, wichtig sei immer, reflektiert mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen. Marchart dazu: „Es kann schnell eine Schieflage entstehen – insbesondere bei Paaren, die getrennt wohnen. Das kann einerseits dadurch passieren, dass Ängste entstehen. Was macht der/die andere, wenn er/sie nicht bei mir ist? Andererseits kann es eine Disbalance im jeweiligen Nähe- und Distanz-Bedürfnis geben.“

Um festzustellen, ob es tatsächlich für beide gleichermaßen funktioniert, könne man es nur versuchen: „Offen bleiben und über Probleme sprechen, die dabei auftauchen– das ist in jedem Fall wichtig.“

Auch in einer der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen können Sie sich gerne über die für Sie passende Beziehungsform austauschen. Vereinbaren Sie einen kostenfreien Termin.