Frau genervter Blick auf Handy

"Lass mich in Ruhe."

… denken sich viele Frauen. Der Begriff Stalking wurde bis vor Kurzen ausschließlich mit Prominenten verbunden. In Realität ist jede vierte Frau in Österreich davon betroffen.

Stalking kann auf unterschiedlichen Ebenen passieren: telefonisch, per sms, per e-mail, ungewünschte Geschenke, Liebesbriefe bis hin zur Verfolgung, Einbruch oder Sachbeschädigung. „Stalking hat nichts mit Liebe zu tun.“, erzählt Elisabeth Cinatl Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie) vom Verein wendepunkt, „Stalker/innen fühlen sich meist als Opfer. Sie haben eine sehr verzerrte Wahrnehmung der Realität. Ihnen fehlt Empathie und meist auch Selbstwertgefühl. Was sie mit ihrem Verhalten auslösen, bemerken sie meist gar nicht.“

Für Stalking gibt es verschiedene Gründe. Der eindeutig häufigste Typ ist „Der Zurückgewiesene“: einerseits können das jene sein, die nach einer Trennung hoffen, dass alles wieder gut wird. Andere wünschen sich sehr mit einer Person zusammen zu sein, von der sie glauben, dass diese ihm/ihr sehr zugetan ist. Doch wie kommt es soweit? „Nach einer Trennung hat meist jene/r ein schlechtes Gewissen der/die die Beziehung beendet hat. Man versucht auf die Wünsche des anderen einzugehen. Meist ist es dann schwierig herauszufinden, wann die Situation kippt.“, so Cinatl. Häufige Fallen: Stalker/innen möchten aus unterschiedlichen Gründen „ein letztes“ Treffen. Dabei wird wieder und wieder versucht Kontakt herzustellen. Wenn das Telefon auch in der Nacht läutet und oder der/die Ex-Partner/in plötzlich vor der Türe steht, sind das eindeutige Zeichen.

Diese Form der Belästigung kann in unterschiedlichen Ausprägungen vorkommen. Manchmal sind es nur Telefonanrufe, die nach drei Wochen wieder vorbei sind. 

Die durchschnittliche Dauer von Stalking beträgt jedoch 26 Monate. Betroffen sind zu 80 % Frauen. Ratsam ist es, alles genau zu dokumentieren – Anrufe, sms, e-mails und unerwünschte Besuche sollten in einer Art Tagebuch festgehalten werden.

Cinatl rät: „in aller Deutlichkeit zu kommunizieren, dass kein Kontakt mehr gewünscht ist. Am Besten ist es dies zu spezifizieren und sehr klar zu verbieten weder telefonisch noch per e-mail, sms oder persönlich in Kontakt zu treten.“ Opfer müssen dafür ihren individuellen Weg finden. Manche tun sich verbal leichter, andere fühlen sich mit dem geschriebenen Wort sicherer. Sie sollten sich jedenfalls sehr gut überlegen was und wie sie dies kommunizieren möchten, rät Cinatl, denn „schon einfache Nebensätze, wecken bei Stalkern starke Hoffnungen. Formulierungen wie „Irgendwann werden wir sicher einmal Freunde.“ oder „Ich möchte jetzt einfach keinen Kontakt.“, geben ihnen das Gefühl, dass noch eine Hintertür offen ist.“

Wenn auch diese deutliche Zurückweisung zu nichts führt gibt es immer noch die Möglichkeit Anzeige (Anti-Stalking Gesetz, 2006) zu erstatten. Es kann neben einer Anzeige auch eine einstweilige Verfügungen erwirkt werden, die es dem Täter verbietet, sich an bestimmten Orten aufzuhalten.

Stalking, über längere Zeit, kann sich sehr stark auf die Lebensqualität des Opfers auswirken. „Schuldgefühle, Angst, Panik, Hoffnungslosigkeit, aber auch vegetative Symptome wie Herzrasen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, bis hin zu Depression oder sozialem Rückzug – all dies sind starke Anzeichen dafür, dass es um mehr geht als einen normalen Trennungsprozess.“, so Cinatl. 

Unterstützung bekommen Opfer bei:

Helpline gegen Gewalt: 0800 222 555
Frauenhäusern: www.aoef.at bzw. 01/544 08 20
Frauenberatungsstellen, Gewaltschutzzentren oder Männerberatungsstellen