Unglücker Mann und Frau auf Parkbank

Krise = Trennung?

Veränderung und Entwicklung gehören zum Leben eines jeden Menschen. In einer langen Paarbeziehung kann der Anschein entstehen, dass der/die Partner/in nicht mehr dieselbe Persönlichkeit ist, in die man sich anfangs verliebt hat. Doch in einer scheinbar ausweglosen Situation muss es nicht zur Trennung kommen.

Vor allem die Entwicklung der Persönlichkeit, der stetige Wandel der Lebenssituation und des Umfeldes haben Auswirkungen auf die Paarbeziehung, die sich auch weiterentwickeln muss. Nichts passiert von heute auf morgen und so kann es sein, dass das emotionale Band und die Liebe unbemerkt nicht ausreichend gepflegt werden. Zusätzlich spielen oft Alltag und andere Dinge, die einen stark beanspruchen, eine Rolle. Auch Lebensübergänge, wie das erste Kind oder Kinder die ausziehen, können für die Beziehung herausfordernd sein.

Christiana Klimka, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, eingetragene Mediatorin und Leiterin der Beratungszentren von Rat & Hilfe merkt: „Paare, die zu uns kommen, stehen oft unter starkem Druck. Sie haben meist vieles probiert um die Situation in der Beziehung zu verbessern, fühlen sich aber als gescheitert. Sie sind in einem Erschöpfungszustand angekommen und wissen nicht mehr in welche Richtung es gehen kann.“ Recht schnell wird dann von Trennung gesprochen. Doch nicht für alle Paare bedeutet Trennung dasselbe.

Klimka dazu: „Bei vielen Paaren besteht noch eine starke emotionale Bindung. Sie wollen zusammen bleiben, sich aber von der Situation, den negativen Emotionen, Verletzungen und Wut trennen. Das Gefühl der Liebe hingegen ist verdeckt noch da und das gemeinsame Leben möchten sie nicht einfach so aufgeben.“ In solchen Situationen kann in Beratungsgesprächen viel bewirkt werden. Vor allem wird Raum für Traurigkeit, Emotionen, Wünsche, etc. gegeben. Ziel ist es, diese gemeinsame, aber trennende Situation abzuschließen, sodass Neues entstehen kann. In der Beratung wird erarbeitet, wie eine andere, die Beziehung förderliche Kommunikation oder eine neue Art der Partnerschaft helfen kann, sich gegenseitig besser zu verstehen. Dabei wird hinterfragt: Was ist schief gelaufen und was lernen wir daraus für die Zukunft?

Dass Probleme in der Beziehung nicht übergangen werden ist für Klimka besonders wichtig: „Wenn sich einer innerlich getrennt hat, kann kaum noch etwas gerettet werden. Leider kommen viele Paare erst zu spät, nämlich dann, wenn von einer Seite keine Gefühle mehr vorhanden sind und keine Verbindung mehr besteht.“ Möglicherweise gibt es dann schon konkrete Vorstellungen, wie eine Trennung ablaufen soll. Hier ist es in der Beratung schwierig, einen Schritt zurück zu gehen, um die Beziehung wieder zu stärken. Aber auch ein guter Abschluss der Paarbeziehung und Abschied von diesem Lebensabschnitt ist wichtig, der durch Beratung unterstützt werden kann. Vor allem wenn es gemeinsame Kinder gibt, ist ein klarer Abschied als Paar notwendig, um trotzdem als Eltern verbunden zu bleiben. Bei einem starken Ungleichgewicht, wenn z.B. ein/e Partner/in von der emotionalen Distanzierung des/der Anderen überhaupt nichts gemerkt hat, ist auch Einzelunterstützung wichtig.

Außenbeziehungen sind meist das Symptom für Anteile, die in der Beziehung nicht gelebt werden. Manchmal ist auch ein Verlust der Gleichwertigkeit in der Partnerschaft dafür verantwortlich. „In manchen Beziehungen traut sich ein Partner nicht auszusprechen, dass etwas nicht passt. Das läuft oft auch unbewusst und ungeplant. Durch „Fremdgehen“ wird dann ein Faktum gesetzt.“, so Klimka. Darüber muss man reden. Hier hilft es auch eine Zeit lang auf Distanz zu gehen, sodass jeder für sich herauszufinden kann, wie es um die gegenseitigen Gefühle steht. „Der/die andere Partner/in wird oft stark in seinem/ihrem Selbstwert verletzt, gegenseitiges Vertrauen wird stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Beziehung und das Vertrauen wieder aufzubauen kann nur funktionieren, wenn es auch beide wollen und sich ehrlich darum bemühen.“, so Klimka.

In langjährigen Beziehungen ist es nicht leicht, sexuellen Reiz aufrecht zu erhalten. Ein bisschen in jemand anderen verlieben – das kann der eigenen Beziehung auch helfen: Was hat sie, was uns fehlt? Ein guter Input für die eigene Partnerschaft. Schwierig wird die Situation, wenn die Verliebtheit auch gelebt wird. Wie mit solch einer Situation umgegangen werden kann, hängt stark vom Paar ab.

Durch den starken Druck bei Problemen fühlen sich Paare oft orientierungslos. Rechtzeitige Hilfe von außen kann Paaren helfen, die Beziehung und Vertrauen neu aufzubauen und mit Veränderungen umzugehen.