Mann umarmt schwangere Frau von hinten

Kinderwunsch um jeden Preis

Wenn in einer Partnerschaft der Wunsch nach einem Kind entsteht und es nicht sofort klappt, kann die Fokussierung auf dieses Thema zu massiven Problemen führen.

Kinderwunschkliniken boomen und immer mehr Paare haben mit einem unerfüllten Kinderwunsch zu kämpfen. Oder damit, dass es Ihnen zu lange dauert. Das belastet nicht nur die Partnerschaft, es macht auch persönlich unzufrieden und man findet kein Lebensglück mehr. Die steigende Anspannung und Unlockerheit verstärkt das Problem letztendlich und man ist in einer schwierigen Situation gefangen, aus der man selbst und auch die Paarbeziehung nur mit sehr viel Kraft wieder herausfindet.

Anna-Maria Ibinger, Familienplanungsberaterin, Psychotherapeutin und Bereichsleiterin in der KOKO Familienberatung in Salzburg hat mit vielen Noch-nicht-Eltern zu tun, die von diesem Thema betroffen sind:

„Der wichtigste Schritt ist, sich mit dem Partner darüber auseinanderzusetzen, woher dieser massive Wunsch nach einem Kind eigentlich kommt“. In dieser oft schon sehr „verkrampften Situation“ kann eine Beratung für Paare mit Kinderwunsch hilfreich sein. Bei genauerer Betrachtung wird dann häufig bewusst, dass hinter diesem intensiven Wunsch  entweder eine Sehnsucht nach dem perfekten Glück steckt, oder die Hoffnung, dass mit einem Kind eine gewisse Unzufriedenheit mit der aktuellen Lebenssituation ausgeglichen werden könnte“.

Auch wenn die Partner sehr sensibel aufeinander eingehen und einander sogar in dieser schwierigen Lage gut verstehen, gibt es Themen, die am besten in Beratungsgesprächen aufgearbeitet werden können. Ein wichtiger Rat der Familienplanungsberaterin und Therapeutin: „Überlegen Sie sich einmal, ob vielleicht der berufliche Stress oder die Anforderungen des familiären Umfeldes so stark geworden sind, dass das Privatleben, das „ICH“ und das„WIR“ als Paar verloren gegangen sind?“. Planen Sie wieder mehr Freizeit ein, Urlaube, gehen Sie Vorhaben erneut an, die in den Hintergrund geraten sind und versuchen Sie, nicht alles von einer möglichen Schwangerschaft abhängig zu machen.“ Wichtig sei es in diesem Zusammenhang auch, sich darüber klar zu werden, was man für diesen Kinderwunsch alles aufgibt.“ 

Auch zu zweit ist das Leben lebenswert und Studien besagen, dass kinderlose Paare nicht weniger Lebensglück empfinden als Eltern. 

Doch oft sind Frauen, die im bedingungslosen Kinderwunsch feststecken, für Argumente dieser Art nicht empfänglich. Dazu Anna-Maria Ibinger: „Hier ist Entidealisierung das Zauberwort. Das Paar muss die Augen öffnen und sich der Realität einer Elternschaft bewusst werden. Dass die Phase des „süßen Babys“ relativ schnell vergeht und andere Entwicklungsphasen Eltern stark herausfordern. Wenn dieser Aspekt etwas bewusster wird, kann das Paar die eigenen Ansprüche beziehungsweise die der Umwelt wieder realistischer betrachten.“ 

Und Entspannung ist für eine erfolgreiche Befruchtung ja das Um und Auf. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Frauen schwanger werden, nachdem sich der Kinderwunsch relativiert hat oder sie sich auch mit dem Gedanken einer Adoption vertraut gemacht hat. 

Eines darf bei allem Verständnis für das Bedürfnis nach Reproduktion ganz sicher nicht passieren: dass nur ein Kind glücklich machen kann. Das wäre eine zu schwere Last, die man einem künftigen jungen Leben aufgebürdet.

Um sich über all diese Themen austauschen zu können, empfiehlt Eva-Maria Ibinger, eine Familien- oder Paarberatung aufzusuchen, da man es alleine nur sehr selten schafft, aus dem Kinderwunsch-Teufelskreis auszubrechen.