Baby kaut an rosa Handy

Kinderspielzeug Handy?

Es vibriert, es piept oder spielt das aktuelle Lieblingslied als Klingelton ab – das Mobiltelefon. Alltagsgegenstand und Statussymbol – nicht nur für Erwachsene, auch für Kinder und Jugendliche. Brauchen Kinder überhaupt ein Handy und wann ist das „richtige Alter“ dafür?

Zu welchem Zeitpunkt ein Kind sein erstes Handy bekommt, hängt von Einstellungen der Erziehungsberechtigten zu diesem Thema ab. Es gibt keine gesetzlichen Regelungen in Österreich. (In Bangladesch ist Jugendlichen unter 16 Jahren der Handygebrauch gesetzlich verboten.)

Christine Laimer, Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Wiener Familienbundes: „Pädagogen sind der Meinung, dass ein Kind erst mit ungefähr elfeinhalb Jahren ein eigenes Handy bekommen sollte. Renommierte Ärzte empfehlen Kindern unter acht Jahren noch kein Mobiltelefon zur Verfügung zu stellen, da der kleinkindliche Organismus noch ,im Aufbau’ ist. Eine eindeutige Lehrmeinung gibt es dazu jedoch noch nicht.“ Die bisher publizierten Studien zum Thema Auswirkung der Handystrahlung auf den Menschen brachten keine eindeutigen Ergebnisse.

Möchte man seinem/r Jüngsten doch ein Handy kaufen, gibt es spezielle Kinderhandys. Die verschiedenen Modelle bieten unterschiedlichste Funktionen; auf manchen kann das Kind nur angerufen werden und Notrufe absetzen. Auf anderen Geräten ist es möglich die Anrufe auf bestimmte Rufnummern einzuschränken.

Eigenes Handy – was nun?

Es ist wichtig „Spielregeln“ für den Handygebrauch zu vereinbaren. Dies beginnt schon beim Kauf des Gerätes. „Hier ist es wichtig, dass Eltern und Kinder sich die Geräte gemeinsam anschauen. Es ist im Vorfeld abzuklären, welches Gerät, welchen Anbieter und welchen Tarif man auswählt. Was stelle ich mir vor und was stellt sich mein Kind vor.“, so Laimer. Auch den Punkt, wer monatlich die Rechnung bezahlt gilt es zu klären. Eine Möglichkeit besteht darin, die Grundgebühr zu bezahlen, fallen jedoch Mehrkosten an, muss der Jugendliche diese von seinem Taschengeld begleichen. Wertkartentelefone statt Mobilfunkvertrag ist nicht immer die beste Lösung. Auch hier lohnt sich der Tarifvergleich.

Handy als Schuldenfalle

Viele Jugendliche machen Aufgrund ihrer intensiven Handynutzung auch erstmals Erfahrung mit Schulden. Teure Mehrwertdienste für Klingeltöne, intensive Datennutzung oder lange Telefonate mit Freunden können auf Dauer zur Schuldenfalle werden. Ist dieser Fall eingetreten sollten Eltern das Gespräch mit dem Kind/Jugendlichen suchen, um herauszufinden wieso es zu den hohen Rechnungen gekommen ist. Auch ein Anruf beim Mobilfunkunternehmen bzw. Konsumentenschutz empfiehlt sich um zu klären, wie weitere Mehrkosten verhindert werden können. „Ein Handyverbot ist jedoch kontraproduktiv. Wichtig ist der Dialog mit dem Kind bzw. Jugendlichen.“, empfiehlt Laimer.

Fotos und Videos kontrollieren?

Viele Jugendliche nutzen die multimedialen Funktionen, die fast alle Handys heute bieten. Fotos, Tonaufnahmen oder Videos – soll man diese nun als Erziehungsberechtigter kontrollieren? „Bei Kindern ist es wichtig, wenn man sich entschließt diese Inhalte zu überprüfen, dies gemeinsam mit dem Kind zu tun. Bei Jugendlichen ist das Handy als Privatsphäre zu akzeptieren. Ebenfalls ist es wichtig das Mobiltelefon nicht als Kontrollinstrument zu nutzen (GPS Ortung). Es dient definitiv nicht als „verlängerte Nabelschnur“ zum Elternteil. Das Kind/der Jugendliche muss lernen mit alltäglichen Problemen selbst umzugehen. Nur so lernt es, Vertrauen in sich selbst aufzubauen und sein Selbstwertgefühl zu stärken.“, meint Laimer.

In einem Punkt sollten sich Erziehungsberechtigte bewusst sein; nicht selten dienen sie als Vorbild in Sachen Handynutzung. Deshalb gilt es hier den Jüngeren zu vermitteln, dass es auch einmal Zeit ist, das Handy abzudrehen.