Altes Paar glücklich

Kinderlos glücklich

Kinderwunsch ist ein Thema, das unser ganzes Leben begleitet. Von der Familienplanung bis zum Großeltern-Sein. Wenn der ursprüngliche Wunsch unerfüllt bleibt, bricht für viele Paare eine Welt zusammen. Aber auch ohne eigene Kinder kann Mütterlichkeit/Väterlichkeit ausgelebt werden.

Von jungen Paaren wird die Realisierung des Kinderwunsches heutzutage oft lange aufgeschoben. „Frauen, die noch nie schwanger waren haben meist die Erwartung, dass sich der Kinderwunsch recht schnell erfüllen lässt. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn es dann nicht so leicht und schnell klappt.“, erzählt Elisabeth Wieser-Hörmann, dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, Psychotherapeutin und Leiterin des Beratungsdienst beim Institut für Ehe und Familie, aus ihrem Beratungsalltag. Gründe dafür gibt es verschiedene. 

Manche Paare haben nur eine verminderte Fruchtbarkeit. Dabei kann die Methode der "Natürlichen Familienplanung" (www.ief.at) helfen, um den optimalen Zeitpunkt für eine Empfängnis festzustellen. Wieser-Hörmann warnt: „Die Gefahr dabei ist, dass die Sexualität auf die fruchtbare Zeit beschränkt wird. Sex wird zum Muss nach genauem Timing. Dadurch entsteht Stress, der sich wiederum nicht förderlich auf die Fruchtbarkeit auswirkt – ein Teufelskreis.“ In der Beratung ermutigt sie Paare umzudenken. Statt sich dadurch einengen zu lassen, sollten Paare diese Zeit sinnlich ausschöpfen, sich neu kennenlernen und die gemeinsame Fruchtbarkeit genießen. Beim Großteil der Paare klappt es früher oder später. Und zwar meist dann, wenn der Druck endlich nachlässt. 

Das Bewusstwerden darüber, dass sich ein Kinderwunsch nicht erfüllen lässt ist für Paare zunächst ein großer Schock. „An erster Stelle muss dabei Trauerarbeit stehen – Raum für Wut, Zorn, Neid oder Verzweiflung.  Denn erst wenn Paare in der Lage sind, sich vom geplanten Lebenskonzept zu verabschieden können neue Lebensentwürfe geschaffen werden.“, so Wieser-Hörmann. Ihr Konzept ist es dabei, ganz klar zwischen der biologischen Mutterschaft und der Mütterlichkeit/Väterlichkeit zu unterscheiden: „Denn dieses Prinzip kann sinnstiftend auch auf andere Lebensbereiche umgelegt und dort ausgelebt werden.“ Einerseits privat, z.B. bei Nichten/Neffen, aber auch beruflich oder im Rahmen von ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Kinder zu bekommen, bedeutet auch sich zu verewigen. „Paare, bei denen das nicht möglich ist, können durch andere Tätigkeiten ihre Fußstapfen hinterlassen und dadurch Sinnvolles schaffen, das die eigene Lebenszeit überdauert.“, erzählt Wieser-Hörmann. Die Frage der Kinderlosigkeit stellt sich in jeder Lebensphase neu.

„Auch zu erfahren, dass es Eltern verwehrt bleibt Großeltern zu werden, weil z.B. die Tochter/der Sohn keine Kinder bekommen kann oder möchte, kann belastend sein.“, bedauert Wieser-Hörmann. Die Großelternschaft kann ebenfalls anders ausgelebt werden, z.B. als „Leihoma“. In Patchworkfamilien hingegen, kann Mütterlichkeit/Väterlichkeit für gewöhnlich auch bei den leiblichen Kindern des Partners/der Partnerin gelebt werden.