Grausame Kinder

Kinder können grausam sein …

Die unreflektierte Ehrlichkeit von Kindern, vor allem bis zum 6. Lebensjahr, kann auch unangenehme Auswirkungen haben. Etwa wenn es darum geht, dass ein anderes Kind von Äußerungen betroffen ist, die es verletzen. So etwas wie: „Du bist aber dick“ oder „Deine abstehenden Ohren sehen doof aus“, können das betroffene Kind verunsichern und es kommt womöglich dazu, dass es sich innerlich zurückzieht oder auf andere Art und Weise versucht, sich abzugrenzen.

Helga Pata, Diplompädagogin, Montessoripädagogin, sensorische Integrationspädagogin und Pikler Pädagogin I.A.vom Eltern Kind Zentrum Klein & GROSS Wels weiß: „Die Kleinen meinen das nie böse, sie sind nicht grausam. Sie haben nur einen sehr natürlichen Umgang untereinander und da nimmt man sich auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Auffälligkeiten anderer geht, die dann offen angesprochen werden.“ 

Wenn Eltern mitbekommen, dass ihr Kind von solchen unangenehmen Äußerungen betroffen ist, haben sie verschiedene Möglichkeiten. Dazu Pata: „Primär stärkt man das Kind, indem man das Problem anspricht, dem Kind sagt, dass man für es da ist und es uneingeschränkt liebt.“ Dabei ginge es nicht darum, das eigentliche Problem zu relativieren, also etwa das Dicksein, sondern darum, dem Kind Geborgenheit zu geben und ihm auch beizubringen, wie es mit solchen Situationen umgehen kann. So solle man das Kind darauf hinweisen, dass es bei solchen Gelegenheiten am besten klar äußert, dass es das nicht möchte. „Stop – das mag ich nicht! Hör auf!“ Am besten untermalt mit einer klaren Geste – etwa einer ausgestreckten Hand. Das zeige souverän und deutlich, dass das Kind Aussagen dieser Art nicht hören möchte. „Als Eltern muss man vor allem zuhören, begleiten und verstehen. ,Ich verstehe, dass du gekränkt bist – das ist wirklich gemein´. Solche unterstützenden Worte können schon sehr helfen.“ Auch ihnen zu versichern, dass man sie so liebt, wie sie sind.

Wenn das Kind selbst es dennoch nicht schafft, sich zu distanzieren und vermehrt leidet, müssen die Eltern einschreiten. So können sie ihrer Tochter/ihrem Sohn etwa anbieten, mit dem anderen Kind zu sprechen. Ein weiterer Weg wäre, die Pädagogin zu informieren, so das Kind in einem Kindergarten oder einer ähnlichen Einrichtung betreut wird. Auch sie können dann mithelfen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Wenn Eltern nicht mehr weiterwissen und sich ihr Kind zunehmend isoliert, empfiehlt sich eine Familienberatungsstelle, die erste Auskunft geben kann.