Kinder beim Spielen

Kinder brauchen Qualitätszeit statt Dauerprogramm

Eltern haben oft den Drang, ihren Kindern ein perfektes Unterhaltungsprogramm zu bieten, sie quasi dauerunterhalten und nichts an Möglichkeiten auszulassen. Oft rührt das auch aus dem schlechten Gewissen, ohnehin wenig Zeit mit den Kindern zu verbringen und in den gemeinsamen Stunden dann alles aufzuholen. Dieses Dauerprogramm führt dann zu Erschöpfung und Überlastung der Eltern – Kinder könnten zudem verlernen, sich selbst zu beschäftigen. „Sie lernen vielmehr, für ihre eigenen Bedürfnisse nicht verantwortlich zu sein; außerdem verhindern die Eltern dadurch, dass Kinder Selbstwirksamkeit erleben, das bedeutet, sie selbst haben eine Idee und verwirklichen diese,“ weiß Mag.a Claudia Prudic, Psychologin und Beraterin an der Frauenberatungsstelle Wendepunkt in Wiener Neustadt. „Man muss Kindern auch die Gelegenheit zu Langeweile geben – in solchen Phasen lernen sie und in ihnen steckt das Potenzial zur Kreativität.“ Je nach Alter wäre es ratsam, die freien Tage und die gemeinsame Zeit eher entspannt anzugehen und auch selber locker zu lassen: Kleidung muss am Abend nicht sauber sein, das zeugt eher von einem langweiligen Tag aus Kindersicht, und bevor man sagt, etwas gehe nicht, überlegen, ob es tatsächlich so ist. „Qualitätszeit kann auch so aussehen, dass man den Kindern Führung und Tempo überlässt, mit ihnen beispielsweise durch den Wald spaziert. Ganz wichtig dabei: Der Weg ist das Ziel, nicht die Aussichtswarte, die interessiert Kinder meist überhaupt nicht. Gemeinsam Steine umdrehen oder einfach nur genießen. Das kann auch sein, sich gemeinsam am Sofa zu langweilen und über diese Langeweile reden auch Eltern dürfen raunzen und sich von den Kinder Tipps gegen die Langeweile geben lassen.“

Vor allem alleinerziehende Elternteile würden dazu tendieren, sich bei der Kinderunterhaltung zu verausgaben. Laut der Expertin sei es besonders wichtig, auch immer die eigenen Befindlichkeiten und Wünsche in die gemeinsame Zeit mit den Kindern miteinzubeziehen. Man fragt sich am besten: Wie geht es mir heute? Worauf habe ich Lust? Wie kann der Tag laufen, damit auch meine Bedürfnisse berücksichtigt werden?

„Oft beugen sich Eltern schlichtweg dem Fadheits-Geraunze der Kinder, weil sie dieses nicht aushalten können. Das führt jedoch dazu, dass die Kinder lernen: Mit Geraunze komme ich ans Ziel“, so Prudic. Die Beraterin empfiehlt, Tage nach einem Programm-Tag auch einfach einmal auf sich zukommen zu lassen und schauen, was passiert, was sich ergibt und so Platz für Spontaneität zu schaffen. So können sich wunderbare Dinge entwickeln, die gar keinen Raum haben, wenn man alles durchplant und organisiert.

„Es kann auch gut für alle Beteiligten sein, wenn es hin und wieder Zeit für Rückzug gibt. Jeder macht etwas alleine für sich. Prudic. „Hier können Eltern mit „passiven“ Angeboten unterstützen, z.B. ein Stapel Bücher von der Bibliothek ausleihen und in einer Tasche in der Ecke stellen lassen – zum Entdecken.“ Natürlich sei es von Vorteil, dass man Kindern bei ihrer Freizeitgestaltung Abwechslung bietet und auch unterschiedliche Freizeitangebote  mit viel Bewegung macht. So empfiehlt Prudic für kleinere Kinder etwa eine Bastelbox, die verschiedenste Materialien enthält: „Durchforsten Sie ihren Müll und befüllen sie damit die Bastelkiste, sie werden staunen, was die Kleinen zuwege bringen!“ Wie überall im Leben müsse man auch beim Thema Unterhaltungsprogramm für Kinder mit Maß und Ziel vorgehen und sich selbst nicht ganz vergessen.

Wer zu diesem Thema gerne mit ausgebildeten Personen sprechen möchte, wendet sich am besten an eine der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen.